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Beyond Imagination

Cassandra

Neuling
Huhu ihr,
diese Geschichte, die ich jetzt hier reinsetze, habe ich schon in einem anderen Forum veröffentlicht – möchte sie aber auch hier reinsetzen – sozusagen als „Einstand“ meiner Mitgliedschaft hier bei Weltennet.
Es hat mir total viel Spaß gemacht die Story zu schreiben und ich finde es super, dass man in einigen Foren die Möglichkeit hat, sowas zu veröffentlichen.
Nochwas vorweg:
Ich habe keinen Plan von Militärrängen und wenn da was nicht stimmt: ignoriert es bitte.
Ich hab mir die Freiheit genommen, ein paar Dinge ins Spiel zu dichten, wie ein Kantinenzelt und Duschen in Alia Das und noch ein paar Sachen – das brauchte ich für meine Geschichte.
Außerdem hab ich so geschrieben, dass man das Spiel nicht unbedingt kennen muss.
Jetzt aber genug erklärt.:)
Über eure Meinung würde ich mich durchaus freuen

Gruss Cassandra
 

Cassandra

Neuling
1) Letzte Stunden auf der Erde

Mein Name ist Cassandra Leart (sprich: Lärt) und ich bin eine der Überlebenden der Invasion der Erde durch außerirdische Mächte. Ich habe das dringende Bedürfnis, meine Erlebnisse aufzuschreiben und ich hoffe, dies ist ein Weg für mich die Dinge zu verarbeiten, die ich erlebt habe.
Einiges was ich hier beschreibe, wird den auf Foreas lebenden Menschen sicherlich bekannt sein, aber vielleicht gibt es ja doch noch Überlebende auf der Erde, die irgendwann meine und andere Geschichten lesen werden.

Zu Hause

Am Tag des grausamen Angriffs dieser widerlichen Kreaturen aus dem All, war ich abends
in meinem kleinen Garten und beobachtete wie so oft voller Sehnsucht die Sterne.
Irgendwie schienen heute viel mehr als sonst am Himmel zu sein und ich freute mich über die sternklare Nacht.
Schon als kleines Mädchen wollte ich nichts lieber, als durch die Weiten des Universums fliegen und fremde Welten erforschen und ich wünschte mir so sehr, endlich mal ein Raumschiff zu sehen oder besser noch: Außerirdische!
Hätte ich allerdings gewusst, wie schnell mir dieser Wunsch erfüllt werden sollte und vor allem auf welche Art und Weise, hätte ich ihn sicher anders formuliert und vor das Wort „ Aliens“ zumindest noch „friedliche, freundliche und schön aussehende“ gesetzt.
Aber noch war ich total ahnungslos, denn ich wohnte etwas abseits und hatte weder Radio gehört noch ferngesehen und deshalb bisher nichts von allem, was im Moment in der Welt passierte, mitbekommen.
Telefonisch war ich nicht erreichbar, denn ich hatte meinen Anrufbeantworter eingeschaltet, weil mein Telefon mehrmals am Nachmittag geklingelt hatte und ich einfach meine Ruhe haben wollte. Mein Handy lag mit leerem Akku – ich vergaß ständig ihn aufzuladen – auf meinem Schreibtisch.
Ich hatte es mir gemütlich gemacht und lag, mit einem Glas Rotwein in der
Hand – nicht dem ersten übrigens an diesem Abend – in meiner Hängematte und grübelte über meine Beziehung nach, die im Moment mal wieder an einem Tiefpunkt angekommen war. Wie meistens drehten sich meine Gedanken im Kreis und ich kam, was auch nichts Neues war, zu keiner Lösung.
Durch das seichte Geschaukel meiner Hängematte fing so langsam auch mein Kopf an,
sich zu drehen und ich beschloss schlafen zu gehen.
„Na, was soll’s“ dachte ich „dann genieß ich jetzt erstmal meine freien Tage und denke später über alles nach.“
Ich arbeitete als Mikrobiologin in einem, für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Forschungslabor an der Westküste Amerikas und in letzter Zeit hatte ich soviel gearbeitet, dass ich mir ein paar Tage freigenommen hatte, um endlich mal zur Ruhe zu kommen.
Ich freute mich unter anderem darauf, einmal so richtig ausschlafen zu können…hach im Bett rekeln… und einfach rumgammeln…die Seele baumeln lassen, wie man so schön sagte...tja, das war zumindest meine Vorstellung von meinem Urlaub.
Aber irgendwie hatten das Schicksal und einige Leute aber insbesondere die Bane, von denen ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie was gehört hatte, Einwände gegen meine Urlaubsplanung.

Um ca. 5 Uhr morgens schreckte ich nämlich hoch und saß senkrecht im Bett, weil jemand Sturm klingelte und wie wild an meine Tür hämmerte - für meinen Kopf die Hölle.
Es waren wohl doch ein oder zwei Gläser Wein zu viel gewesen. Auch mein Magen muckte auf – mir war speiübel.
„Miss Leart? Miss Cassandra Leart? Hier ist die AFS, öffnen Sie bitte sofort die Tür“, schrie jemand mörderisch laut - mein Kopf schien zu platzen.
„Wer oder was zum Henker ist die AFS und welcher blöde Volltrottel wagt es, mich im Urlaub um diese ätzende Uhrzeit zu wecken?“ schimpfte ich in Gedanken vor mich hin
und hielt stöhnend meinen Kopf fest.
Schlaftrunken torkelte ich zur Haustür, legte die Kette vor und öffnete sie einen Spalt.
Davor standen 5 Männer in Uniform, schwer bewaffnet und weder Uniform noch Waffen hatte ich jemals zuvor gesehen.
„Miss Leart? Der blöde Volltrottel bin ich: Commander M.Snipes von der AFS, Einheit 3, Sektion Foreas, Concordia Ost. Ich habe Befehl Sie – notfalls mit Gewalt – zur Zentrale Silverhill Station Erde zu bringen. Bitte ziehen Sie sich an und kommen Sie mit.“
Ups, da hatte ich wohl doch laut gedacht!

Sprachlos starrte ich ihn mit offenem Mund an: mein Gott, sieht der gut aus, dachte ich.
Er verzog keine Miene, wippte aber ungeduldig mit dem Fuß und ich hoffte nur, dass ihm mein Blick nicht aufgefallen war.
„Wenn Sie sich mal von meinem Anblick lösen könnten, Miss Leart…Bitte machen Sie sich endlich fertig, wir müssen sofort aufbrechen!“ brachte er mich in die Realität zurück.
Mist, dachte ich, ertappt…
„Wie käm ich denn dazu?“ schrie ich ihn an, als ich mich wieder gefasst hatte.
Ich konnte es so gar nicht ausstehen, wenn man mir Befehle erteilen wollte und noch weniger, dass er nun glauben könnte, ich würde ihn anhimmeln oder was auch immer.
„ Ich weiß doch gar nicht worum es überhau…“
„Wir haben hier keine Zeit für Diskussionen.“ unterbrach er mich.
„Entweder Sie ziehen sich was an und kommen freiwillig mit oder wir nehmen Sie jetzt soo, “ und dabei musterte er mich anzüglich grinsend von oben bis unten „mit, wie Sie sind!“
Mir wurde jetzt erst bewusst, dass ich ziemlich spärlich bekleidet war.
„Ich hab sowieso keine Ahnung, was die AFS von Ihnen will.
Wir brauchen Leute, die kämpfen können und SIE“ dabei betonte er das Sie besonders „überstehen sicher nicht mal das Ausbildungslager.“
„Arroganter Arsch!“ dachte ich und wankte, da ich keine andere Wahl hatte, ins Bad, zog mir Jeans und T-Shirt an, warf ein paar Aspirin ein und versuchte, meinen Magen unter Kontrolle zu halten.
Ich wollte noch ein paar Dinge einpacken - unter anderem mein Schminkzeugs - ich ging ungeschminkt nicht mal in den Keller -, als hinter mir Snipes Stimme ertönte: „Da wo wir hingehen, werden Sie sowas bestimmt nicht brauchen. Da besteht ihr Make-up aus Staub und Schlamm.“
„Na bestens. Das ist doch mal ne Aussicht.“ dachte ich und war noch wütender, da die Männer offensichtlich meine Tür gewaltsam geöffnet hatten.
„Wenn ich mal eben was erledigen dürfte!“ brachte ich grad noch hervor, knallte die Badezimmertür vor seiner Nase zu und hechtete zur Toilette, um würgend den Wein loszuwerden.
Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass ich besser im Bett aufgehoben wäre mit der Decke über dem Kopf, aber das energische Klopfen von Snipes an der Tür erinnerte mich daran, dass daraus wohl nichts mehr werden würde.
„Hier trinken Sie das.“ sagte er als ich die Tür öffnete und hielt mir eine Phiole mit einer grünlich phosphoreszierenden Flüssigkeit hin. „Damit wird es Ihnen sofort besser gehen und essen Sie um Himmels Willen das Kaugummi hier…Sie riechen, als ob Sie in ein Weinfass gefallen wären.“
„Ja, sorry!“ gab ich schimpfend zurück. „Hätte ich gewusst, dass SIE kommen, hätte ich selbstverständlich vorher geduscht und mir die Zähne geputzt.“ Ich riss ihm die Phiole aus der Hand und würgte das komische Zeugs runter und – oh Wunder – es ging mir schlagartig besser.

Mittlerweile ganz wach wurde mir bewusst, dass ich eine Scheißangst hatte und mir schossen diverse Gedanken durch den Kopf.
Ich sollte kämpfen? Gegen wen oder was denn? Ausbildungslager? AFS?
Die hatten sich sicher vertan und meinten jemand anderen. Bestimmt würde sich alles in Silverhill aufklären lassen und ich konnte doch noch meinen Urlaub genießen, tröstete ich mich in Gedanken.


Widerstrebend verließ ich meine Wohnung – nicht wissend, was mir bevorstand und was das alles zu bedeuten hatte.
„Halten Sie sich dicht hinter mir, wenn wir die Hauptstraße erreichen. Und am besten sehen Sie nicht nach rechts oder links, und am besten auch nicht zum Himmel, damit Sie mir nicht ohnmächtig zusammenbrechen. Am allerbesten sehen Sie nur auf den Boden oder auf meinen Rücken.“
„Du Ar...loch, “ dachte ich, das würde dir sicher Spaß machen, schielte dabei aber heimlich auf seinen knackigen Hintern, der mir unter anderen Umständen sicherlich super gut gefallen hätte…

Wir mussten zunächst einen längeren, nicht befahrbaren Waldweg entlang gehen bis wir endlich die Hauptstraße erreichten. Dort überfiel mich nackte Panik, denn natürlich sah ich nach rechts und links und mir bot sich ein Bild des Grauens. Menschen rannten schreiend, chaotisch und voller Panik durch die Straßen, Geschäfte waren geplündert, überall lagen Tote oder Verletzte und soviel Blut... mir wurde übel…
Und klar sah ich zum Himmel und war fasziniert und entsetzt zugleich.
Am Himmel? …oh Gott!
Am Himmel wimmelte es von Flugobjekten, die eindeutig nicht irdischen Ursprungs waren und die lautlos über uns dahinglitten. All das ließ mich nichts Gutes ahnen.
Ich stolperte wie hypnotisiert hinter Snipes her, flankiert von den anderen Soldaten, bis wir ein stark gepanzertes Fahrzeug erreichten.
Die Fahrt verlief schweigend und niemand wollte mir mitteilen, um was es ging.
Man vertröstete mich auf später….und meine Panik wurde immer größer.
 

Cassandra

Neuling
Silverhill

Schließlich erreichten wir Silverhill und Snipes brachte mich zur Infozentrale. „So, wir sind da.“ erklärte er mir.
„Dann passen Sie mal auf, dass die Bane Ihnen nicht Ihre Fönfrisur durcheinander bringen. Man sieht sich“. Nicht, wenn ich es vermeiden kann, dachte ich und zeigte ihm meinen Mittelfinger, fragte mich dabei aber, wer zum Teufel die Bane nun wieder waren.
Grinsend drehte er sich, mir eine Kusshand zuwerfend, um und verschwand.

An der Zentrale nahm man meine Daten auf und brachte mich zu einem Aufzug, mit dem man mich in die Tiefe schickte.
Als sich die Tür öffnete, blieb mir erstmal der Mund offen stehen. Eine riesige – ja fast - Stadt erwartete mich, mit hektisch hin und her laufenden Menschen, denen man ansah, dass auch sie in Panik waren.
„Miss Leart?“ sprach mich eine junge Frau an, die sich als Lieutenant Junks vorstellte. „Kommen Sie bitte mit mir“ und ich folgte ihr zu einem Raum, in dem lauter wichtig aussehende Männer und Frauen saßen.
„Guten Tag, Miss Leart“, grüßte mich eine Frau namens Sergeant Pettiwell „Sie können sich glücklich schätzen zu den Auserwählten zu gehören, die zum Fortbestehen der Menschheit beitragen dürfen“, fuhr sie fort.
Ich verstand natürlich nichts…glücklich? Fortbestand der Menschheit? Ich und beitragen? Wovon in aller Welt faselte sie da nur? Aber ich musste nicht lange warten, um die Antworten auf all meine Fragen zu erfahren und ich wünschte mir, ich hätte sie nie erfahren müssen.
So erzählte man mir also, dass die Erde von Außerirdischen angegriffen würde und dass sie uns technisch weit überlegen seien – welch Wunder - und es für das Überleben der Menschheit nur eine Möglichkeit geben würde: nämlich die Flucht einiger Menschen, die man sorgfältig ausgewählt hatte, von der Erde.
„Bitte???“sagte ich und sah bestimmte nicht allzu intelligent dabei aus „Flucht von der Erde??? Prima, sollen wir uns alle in ein winziges Shuttle quetschen und den Mond besiedeln?“ fragte ich sarkastisch.
Die Herrschaften vor mir lächelten mich nachsichtig an – wie man ein Kind anlächelt, das sich in die Angelegenheiten der Erwachsenen mischt.
Dann erklärte man mir, dass es Alientechnologien gab, die schon seit Jahrzehnten bekannt waren und von Portalen durch Wurmlöcher, mit deren Hilfe wir in fremde Galaxien reisen konnten und allmählich glaubte ich mich in einem Albtraum oder in einer Stargate-Episode zu befinden und wartete darauf, dass mein Wecker klingelte. Doch er klingelte nicht…

Stattdessen berichtete man mir von einem Soldatentraining bei der AFS, den Allied Free Sentients, dass ich auf einem Planeten namens Foreas zu absolvieren hätte, um dann anschließend als Mikrobiologin weiter arbeiten zu können. Meine genaueren Aufgaben würde man mir noch mitteilen – hieß es.
„Was ist mit meiner Familie und mit meinen Freunden?“ fragte ich am Rand eines Nervenzusammenbruchs.
„Keine Sorge“ erwiderte Pettiwell, „für sie wird bestens gesorgt.“
Ich sah in ihren Augen, dass dies eine Lüge war.
„Ohne meine Familie und Freunde gehe ich nirgendwohin!“ kreischte ich.
„Liebe Miss Leart“, mischte sich einer der anwesenden Männer ein. „Sie werden gehen, glauben Sie mir. Spätestens, wenn Ihnen der erste Bane über den Weg gelaufen ist, werden Sie uns anflehen, Sie nach Foreas zu schicken.
Dort haben wir eine reelle Chance die Bane, ein Zusammenschluss von Neph, Thrax und anderen aggressiven Außerirdischen, mit Hilfe unserer Verbündeten, den Foreanern, zu bekämpfen.
Hier auf der Erde ist es vollkommen aussichtslos. Also bitte, gehen Sie freiwillig, denn gehen werden Sie!“ erklärte er mir geduldig und sah mich mitfühlend an.
„Als ob ich eine Wahl hätte!“ bluffte ich ihn ungerechtfertigter Weise an.
„Ich überlasse Sie jetzt Lieutenant Junks. Sie wird Ihnen Ihre Grundausrüstung geben, die Sie bitte anlegen. Die nächste Portalöffnung ist in ca. 1 1/2 Stunden. Man wird Sie dann abholen und dorthin bringen. Leben Sie wohl, Miss Leart!“ verabschiedete sich Pettiwell.

Junks brachte mich zu einer Art Warteraum und ich zog die einfache Uniform an, die sie mir gegeben hatte und studierte die exotisch aussehende Waffe, die ebenfalls bei der Ausrüstung dabei war und von der ich keinen Schimmer hatte wie sie auch nur ansatzweise funktionieren könnte.
Ich hing meinen Gedanken nach und war stinksauer, dass mein Leben nun fremdbestimmt war. Meine Angst und meine Wut überdeckten meine Trauer um die Menschen, die ich aller Wahrscheinlichkeit nie in diesem Leben wiedersehen würde und von denen ich mich nicht mal verabschieden konnte.
Junks unterbrach meine düsteren Gedanken. „Ihr Transport nach Foreas verzögert sich etwas. In der Zwischenzeit mache ich Sie mit Prof. Ericson bekannt. Wenn Sie mir bitte folgen würden.“ forderte Sie mich auf.
Sie brachte mich in einen Laborraum und stellte mir Prof. Ericson vor, einen sympathischen älteren Mann mit langen weißen Haaren, die zu einem Zopf gebunden waren. Er war gerade damit beschäftigt, eine Zentrifuge mit Reagenzgläsern zu füllen.

„Ach, da ist ja unser Barbiepüppchen, das mit Puderquasten gegen die Bane kämpfen möchte!“ hörte ich eine Stimme hinter mir und zu meinem Leidwesen sah ich Commander „Unausstehlich“ Snipes, der lässig auf einem Stuhl saß, die Füße auf einem Labortisch, seine Waffe quer auf seinem Schoß liegend.
„Na, Snipes? Nix anderes zu tun als das Barbiepüppchen zu beobachten?“ gab ich schnippisch zurück.
„Tja, leider muss ich Ihren kostbaren Hintern schützen, wie man mir gerade mitteilte. Es gibt auf der Erde und auch hier in Silverhill immer noch Idioten, die glauben wir könnten den Krieg gegen die Bane gewinnen und die wollen Ihnen an die Wäsche – keine Ahnung warum.“ klärte er mich auf.
Er musterte mich schon wieder ungeniert von oben bis unten und tätschelte dabei seine Waffe.
„Boah, Männer!“ dachte ich und wandte mich Ericson zu.
„Miss Leart, guten Tag! Schade, dass ich Sie unter diesen Umständen kennenlerne.
Man hat mir Ihre Forschungsergebnisse an den XV37-Virenstämmen vorgestellt.
Sie sind zurzeit von besonderem Interesse für uns, weil Menschen dagegen resistent sind, wir aber Hinweise darauf haben, dass es Lebensformen unter unseren außerirdischen Feinden gibt, für die Ihre Virenformen lebensbedrohlich sind. Die Aussichten sind jedenfalls sehr gut. Bei einem Exemplar haben wir schon die Wirksamkeit feststellen können.
Eine…“
„Waaas?“ unterbrach ich ihn wenig höflich „wie kommen Sie an meine Forschungsarbeiten und wie können Sie sie dazu einsetzen Leben zu zerstören?“ rief ich entgeistert.
Irgendwie wollte ich die Vorstellung eines intergalaktischen Krieges und alles was man mir sonst noch erzählt hatte, lieber ignorieren und einfach noch nicht wahrhaben, dass von nun an alles anders sein sollte als bisher.
„Tja, sehen Sie…es ist Krieg und das gibt uns die Berechtigung alles einzusetzen, was möglich ist. Da entfällt jegliche Geheimhaltung. Nun, und wie ich Ihnen gerade zu erklären versuchte: eine Ihrer Aufgaben auf Foreas wird es sein, genetische Manipulationen an den Viren vorzunehmen, um sie wirksam zur Neutralisierung des Feindes einsetzen zu können.“ Eine vornehme Umschreibung für die Tatsache, Leben zu vernichten.

Die ganze Zeit während ich mit Ericson redete, fühlte ich Snipes Blicke im Rücken und mir war ziemlich unbehaglich dabei - keine Ahnung warum.
„Nun, “ meinte Ericson „auf Foreas gibt es für Sie sehr viel mehr Möglichkeiten sich fortzubilden und Ihre Arbeit weiterzuführen. Wir werden uns sicherlich dort treffen.
Leben Sie wohl.“
Er wies eine Laborantin an, sich um die Reagenzgläser zu kümmern und verließ das Labor mit einem riesigen Stapel an Papieren.

„Ok, Barbie-Schätzchen, kommen Sie mit.“ meinte Snipie-Pipie, der sich zu meinem persönlichen Albtraum entwickelte. „Ich werde Ihnen schon mal zeigen, wie Ihre Waffe funktioniert, damit Sie sich verteidigen können, falls die Thrax Ihnen Ihren hübschen Hintern wegpusten wollen. Man weiß nie, was einen auf Foreas erwartet!“
„Zu freundlich!“ meinte ich frostig.
Er zeigte mir die Funktion der Waffe und ließ mich, in einem eigens dafür vorgesehenen Raum auf Zielscheiben schießen.
Für mich ziemlich unbegreiflich traf ich erstaunlich oft ins Schwarze.
„Gar nicht mal übel für so eine Labormieze.“ meinte Snipes.
Ich verdrehte nur die Augen, während er grinste.
Ich fühlte mich in seiner Gegenwart immer unwohler.
Irgendwie löste er in mir ein Gefühlschaos aus und ich war froh als Junks mich abholte und damit von Snipes Anwesenheit befreite.
„Machen Sie es gut, Barbie-Mäuschen. Im Moment sind andere für Sie zuständig“ rief Snipes hinter mit her.
Na, so ein Glück dachte ich
 

Cassandra

Neuling
2)Ein fremder Planet

Landung im Ausbildungslager

Ich war ziemlich nervös, denn schließlich betrat ich ja nicht täglich ein Wurmloch, um zu einem fremden Planeten zu reisen und gegen Kreaturen zu kämpfen, die ich nie im Leben gesehen hatte.
Das Wurmlochportal war schon von Weitem als leuchtend blaue, schimmernde Lichtsäule zu sehen. Jeder, der sie betrat, verschwand einfach – als würde er sich auflösen.
Als ich endlich an der Reihe war, verließ mich doch ziemlich der Mut, aber erstens hatte ich keine andere Wahl und außerdem war ich neugierig. Ich betrat also das Portal und hatte augenblicklich das Gefühl in die Länge gezogen zu werden. Ich wusste nicht, wo mein Körper anfing und wo er aufhörte – ich schien mit dem Licht zu verschmelzen.
Alle Zeiten – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – sah ich nebeneinander ablaufen und ich befand mich gleichzeitig in multiplen Universen und Dimensionen.
Bevor sich mein Verstand gänzlich verabschiedete war es auch schon vorbei und ich landete direkt im Ausbildungslager, einer Höhle auf Foreas.
Das erste was ich wahrnahm war eine hochaufragende, bläulich irisierende, holographische Figur, die anscheinend mit mir redete. Zumindest hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, die mir was von Elohs und Logosfähigkeiten erzählte und davon, dass ich ein Medium sei.
„Jaaaa, klaaaar….“ dachte ich „ganz sicher…wenn’s weiter nichts ist! Ich konnte ja immer schon Hellsehen…..“

Unter Corporal Hartmann lernte ich richtig schießen und was ich total cool fand: ich konnte mit der bloßen Hand Blitze auf meine Gegner abfeuern – Logos sei Dank, ein Geschenk der Eloh an medial begabte Rekruten. Ob ich es doch glauben sollte…das mit der Medialität?
Hier in der Lunahöhle sah ich auch zum ersten Mal in meinem Leben echte, wirkliche Außerirdische, – die Foreaner - die ich mit unverhohlener Neugier und einer gewissen Ehrfurcht anstarrte!
Hübsch fand ich sie ja nicht gerade. Mit ihrer grünen Hautfarbe erinnerten sie mich irgendwie an Pflanzen, trotz der humanoiden Gestalt. Aber sie strahlten eine gewisse Ruhe aus und vermittelten mir ein wenig Sicherheit.

Nach zwei Wochen harten Trainings befand man mich für fähig, meine erste wirkliche Mission auszuführen – nicht das ich besonders scharf darauf gewesen wäre….
Ich wurde zu Corporal deSimone geschickt und er gab mir den Befehl einen Weg aus der Höhle zu finden, und mich bis zur Basis in Denzil’s Krater durchzukämpfen und sie zurückzuerobern. Wenn’s weiter nichts war!
„Ihr Commander ist allerdings noch mit einer anderen Operation auf der Erde beschäftigt und kann erst später zu Ihnen stoßen. Bis dahin leiten Sie die Mission und haben das Kommando über die Soldaten und Foreaner, die ich Ihnen zuteile. Die Foreaner sind äußerst geschickt im Umgang mit Bögen und Stäben.“
„Sie wissen aber schon, dass ich nicht zum Soldaten geboren wurde und ich keinen Plan von Menschen – und schon gar nicht Foreanerführung habe?
Ich weiß doch überhaupt nicht, wie die ticken. Und ich hab auch nicht darum gebeten in den Kampf gesteckt zu werden, schließlich bin ich Wissenschaftlerin!“ machte ich mal den Versuch, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass ich null Ahnung und null Bock von und zu all dem hatte.
„Sie packen das schon, Leart! Wir zählen auf Sie! Und wegtreten!“ befahl er im Kommandoton und lies keinen Zweifel daran, dass er keinen Widerspruch mehr duldete.
Wie aus dem Nichts tauchten Gestalten auf, von denen ich zwei als menschlich einstufte, obwohl sie durch ihre Uniformen kaum identifizierbar waren. Der dritte war unverkennbar
ein Foreaner.
Wir rannten los in Richtung Basis.

Plötzlich tauchten sie vor mir auf: die wohl hässlichsten Kreaturen, denen ich in meinem Leben bisher begegnet war. Mir rutschte das Herz ein paar Etagen tiefer und mein erster Impuls war: mach, dass du weg kommst, aber ganz schnell!
Ehe ich auch nur reagieren konnte, richtete eine der Kreaturen ihre Waffe auf mich …im selben Moment fiel sie auch schon zu Boden, getroffen von einem Blitz aus dem Stab des Foreaners…ein Glück!
Es gab keine Atempause, denn die anderen Thrax waren ja auch noch da. Diesmal war ich schneller und schoss. Der Lärm der Waffen war ohrenbetäubend.
Wir kämpften uns zur Basis durch und erledigten auch alle Feinde dort: die Basis war wieder in unserer Hand.
Wenn ich gehofft hatte, mich jetzt etwas erholen zu können - diese Hoffnung wurde leider brutal zerstört, denn ich bekam den Befehl sofort nach einem vermissten Team zu suchen.
Also machte ich mich - schießend und Blitze feuernd auf alles was nach Bane aussah - auf den Weg. Leider konnte ich nicht mehr viel für unsere Leute tun, denn einer war schwerverletzt und der andere schon tot. Ich gab über Datapad in der Basis Bescheid und hoffte, jemand konnte dem Verletzten vielleicht doch noch helfen.

„Verdammte Bane-Schweine“, entfuhr es mir und nahm die Bombe des Toten an mich, um den Auftrag des Teams zu Ende zu führen. Mit der tickenden Bombe in der einen und meiner Waffe in der anderen Hand, rannte ich so schnell wie möglich in Richtung Shuttleplatz, um die zerstörten Wrackteile wegzusprengen, damit unsere Shuttles wieder dort landen konnten.
Mir war ganz schön mulmig zu Mute, was noch harmlos ausgedrückt ist.
Du musst völlig bekloppt sein, dachte ich, mit ner scharfen Bombe hier durch die Bane zu spazieren.
Einige Minuten und etliche abgeknallte Bane später, erreichte ich endlich den Platz, brachte die Bombe an und ging in Deckung.
Mir zitterten die Beine und ich hatte eine Stinkwut auf die Bane, als ich an das Team dachte und allmählich tauchten Bilder all der Menschen vor mir auf, die ich zurücklassen musste und von deren Schicksal ich nichts wusste. Ich sah wieder die vielen Toten und Verletzten auf der Erde….
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich wie einer der Thrax, die noch immer in der Nähe des Shuttleplatzes landeten, auf mich zukam.

„Du kommst mir gerade Recht, du miese, hässliche, widerliche Missgeburt aus der Hölle…!“ schrie ich und schoss immer und immer wieder und all meine Wut, meine Trauer und meine Angst entluden sich und ich ließ alles an ihm aus. Tränen liefen mir übers Gesicht und ich schoss auch noch als die Kreatur schon tot am Boden lag. Ich konnte einfach nicht aufhören.
Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter.
„Miss Leart! Miss Leart! Cassandra…es ist vorbei.“ drang eine männliche Stimme langsam durch meine dunkle Wolke aus Trauer und Wut.
Jemand drückte behutsam meinen Arm mit der Waffe nach unten.
Ich sackte auf die Knie, riss meinen Helm vom Kopf und weinte hemmungslos.
Jemand legte seinen Arm um mich, drückte mich an sich und strich mir durchs Haar.
Er redete beruhigend auf mich ein: „Ja, gut so, Cassy, lass alles raus. Jedem geht es hier so, früher oder später. Ist ja gut ….schschscht.“
Langsam beruhigte ich mich. Der Jemand hielt mir ein Taschentuch hin.
„Hier!“ sagte er und ich sah zum ersten Mal in sein Gesicht.
Oh Gott, nein! Snipes, durchfuhr es mich.
Zu dem ganzen Albtraum kam noch ein weiterer hinzu: von allen Kommandanten musste ausgerechnet Snipes mein Commander sein und noch schlimmer: er hatte meinen supertollen Ausbruch soeben miterlebt. Das dürfte ja alles gar nicht wahr sein.
Ich wünschte mir ein Wurmloch herbei oder wenigstens ein Erdloch, in dem ich verschwinden konnte.
Er grinste, wurde aber sofort wieder ernst. „Keine Bange. Von mir erfährt keiner was.“ versprach er.
Ich sah in seine tiefbraunen Augen und bemerkte keinerlei Spott oder Ironie – eher Besorgnis und Mitgefühl und noch etwas anderes, was ich nicht deuten konnte.
Ich konnte meinen Blick kaum lösen und hatte das Gefühl in seinen Augen zu versinken und wollte nur noch Ruhe, Frieden und mich fallenlassen...
„Commander?“ unterbrach eine schrille Stimme den magischen Moment und ich zuckte zusammen. „Was sind unsere weiteren Befehle?“
Snipes zog schnell den Arm von meiner Schulter, stand auf und hielt mir die Hand hin, um mir auf die Füße zu helfen.
„Gut gemacht, Leart!“ sagte er, klopfte seine Uniform ab und räusperte sich.
„Ja, öhm, hier sind wir fertig. Wir werden in Alia Das erwartet. Dort haben sie zwei Tage Zeit sich auszurüsten und zu erholen, bevor es dann wieder an die Front geht.“

Fortsetzung folgt:D
 

Cassandra

Neuling
Zum ersten Mal in Alia Das

Das Hochbeamen in das Shuttle, das wir nach Alia Das nahmen, fühlte sich an wie ein Zerfließen oder ein Aufspalten in unzählige Bewusstseinseinheiten und als ich in Alia Das ankam, sah ich erst mal nach, ob ich in einem Stück angekommen war.
„Super praktisch“ dachte ich und wunderte mich gleichzeitig darüber, dass man angesichts all der schrecklichen Erlebnisse überhaupt noch fähig war, sich für die Außenwelt zu interessieren und was anderes als seinen eigenen Schmerz wahrzunehmen.
Aber so war sie wohl, die menschliche Psyche. Es ging immer irgendwie weiter.

Zum ersten Mal hatte ich nun ein wenig Ruhe mich umzusehen.
Ein fremder Planet! Ich konnte es nicht fassen.
Fremdartige Bauten sah ich – wohl die der Foreaner – aber auch Soldatenbaracken bzw. Zelte, die auch nicht schöner waren, als auf der Erde. ..eben zweckmäßig.
Die Landschaft war schon irgendwie erdähnlich und auch wiederum nicht – vieles sah fremdartig aus. Fasziniert beobachtete ich den riesigen rotglühenden Himmelskörper.
Mir war nicht ganz klar, was es nun eigentlich war – eine Sonne, die abstarb vielleicht?
Es war wirklich wunderschön hier und ich bedauerte, dass wir alle aus so einem furchtbaren Grund hier waren. Hier könnte ich mich zu Hause fühlen…

Nachdem ich mich notdürftig vom Schlamm und Staub befreit hatte, schulterte ich mein Gewehr. Ohne Waffe lief hier niemand rum, denn das konnte selbst im Basiscamp Selbstmord bedeuten, wie man uns während der Ausbildung immer wieder eingebläut hatte.
Ich hatte Hunger und schlenderte in die Kantine – ein kleineres Zelt am Rand der Basis.
Skeptisch betrachtete ich den schlammfarbenen Eintopf mit dem wohlklingenden Namen
„Foreanischer Himmelstopf“ und hoffte, dass das kein schlechtes Omen war.
Im Eintopf schwammen unappetitliche, grünlichblaue, schwabbelige Stücke rum – wohl die Fleischeinlage, brrr… junger Flusskeiler, wie ich später erfuhr….
Ich suchte mir einen Platz und musste dabei an einem Tisch vorbei, an dem 5 Frauen saßen.
„Da, die Leart! Wieder so’n Möchtegern-Soldat.
Soll Mikrobiologin sein. Die weiß sicher nicht mal wie man ne Impulsschrotflinte von ner Wasserpistole unterscheidet!“ hörte ich eine der Frauen mit hellgrünen Haaren sagen.
„Soll ja Snipes Liebling sein.“ meinte ihre Nachbarin, woraufhin ihr „Miss Patina“ einen giftigen Blick zu warf.
„Boah Zickenalarm“ dachte ich „als ob wir hier keine anderen Sorgen hätten!“
Sie freundlich anlächelnd quetschte ich mich an ihnen vorbei und setzte mich zu einer nett aussehenden jungen Frau.
„Hi, ich bin Marsha.“ stellte sie sich vor. „ Na? Unsere 5 Mädels haben es ja wohl im Moment auf dich abgesehen.“ meinte sie.
„Ich weiß wer du bist.“, fuhr sie fort, als ich ihr meinen Namen sagen wollte. „Es hat sich rumgesprochen, dass du aus irgendeinem Grund Eindruck auf Snipes gemacht hast.
Hast deine Mission anscheinend gut ausgeführt und glaub mir, Snipes zu beeindrucken ist nicht einfach – kannst dir also was drauf einbilden.“
„Och nöh, also das glaub ich ja nun mal gar nicht. So wie der mich behandelt.“ erwiderte ich verwirrt.
Ich wechselte schnell das Thema und wir unterhielten uns eine Weile über unsere Erlebnisse. Währenddessen stocherte ich im „Himmel“ rum und konnte mich kaum überwinden, den Fraß zu probieren.
„Ja, ja“, sagte Marsha „man muss sich erst an die foreanisch-menschliche Küche gewöhnen. Im Ausbildungslager geht’s ja noch.
Anscheinend wollen sie die Neuen nicht direkt abschrecken. Aber sooo schlimm isses jetzt auch nicht.“
„Wenn du meinst…“ Ich probierte die schlammartige Brühe….naja, gestorben bin ich nicht und es machte satt, aber ich dachte an Pizza, Steaks, Käsesahnetorte und Wackelpudding…seufz.
 

Cassandra

Neuling
Angriff auf die Basis

Wir unterhielten uns eine Weile, als wir plötzlich lautes Geschrei und Gerenne hörten. Im selben Moment erklangen auch schon Sirenen und Marsha schrie: „Wir werden angegriffen! Los komm! Wir müssen die Basis verteidigen!“ und zerrte mich von der Bank.
(dies in Anlehnung an das Abschluss-Beta-Event. Anm. der Autorin:D )
Draußen schrie und rannte alles durcheinander – ein heilloses Chaos, so schien es mir. Bei näherem Hinsehen stellte ich aber fest, dass jeder genau wusste was er zu tun hatte und wo sein Platz war.
Ich sah Snipes auf mich zu rennen. „Los, kommen Sie schon Leart. Schlagen Sie keine Wurzeln. Oder wollen Sie Zielscheibe für die Bane spielen?“
Es versetzte mir einen leisen Stich, wie er mit mir redete – er war also wieder ganz der Alte.
Hinter ihm tauchte das „grüne Gift“ mit ihrem Gefolge auf.
„Och nö“, stöhnte ich innerlich „die gehören doch jetzt nicht etwa auch noch zu unserer Einheit? Als ob Snipes nicht schon genug wäre…“
Ich straffte die Schultern und folgte ihnen hinter einen Haufen von Sandsäcken.
„Verdammtes Banepack. Das ist jetzt das zweite Mal, dass sie Alia Das angreifen. Unser warmer Empfang das letzte Mal hat ihnen wohl nicht gereicht!“ schimpfte Snipes.

Und dann kamen sie!
Man hörte sie zunächst mehr, als dass man sie sah.
Die Bane warteten mit allem auf, was sie zu bieten hatten und das war jede Menge.
Wenn ich geglaubt hatte, die Thrax seien hässlich….tja, alles, was sie mitbrachten war mindestens genauso abartig oder schlimmer…
Wir schossen was das Zeugs hielt und beförderten viele Feinde in den Banehimmel, obwohl ich stark bezweifle das es einen solchen überhaupt gibt.
Plötzlich sah ich Marsha, die zu uns rüber rennen wollte. Von der Seite lief ein Thrax auf sie zu und schoss. Marsha schrie auf und fiel zu Boden. Ohne zu überlegen rannte ich zu ihr, dabei auf den widerlichen Bane schießend, der sich ihr näherte, um sie zu töten.
Ihr Bein war blutüberströmt und ich versuchte, sie an den Schultern in Sicherheit zu zerren.
Snipes stürmte heran, um mir zu helfen, gefolgt von zwei Soldaten, die uns Feuerschutz gaben.
Hinter der Barrikade packte er mich an den Schultern und schüttelte mich.
„Bist du wahnsinnig, Leart? Niemand verlässt ohne Deckung die Stellung. Du könntest tot oder verletzt sein! Ich brauche dich… hier lebend. Mach sowas nie wieder, hörst du?“ schrie er mich an. Er verstummte, als er sah, dass die anderen ihn mit offenem Mund anstarrten.
„Ok Leart, Sie haben Finlay offensichtlich das Leben gerettet. Gut gemacht, aber das nächste Mal mit Deckung!“
Natürlich hatte er Recht, denn es war ja mehr als bescheuert von mir, so kopflos die Barrikade zu verlassen, aber ich war auch sauer, weil er schon wieder so widersprüchlich reagierte. War der vielleicht schizophren oder gab es auf Foreas irgendwelche, für die menschliche Psyche schädlichen Mikroorganismen? Vielleicht eine Art gigantischen foreanischen Peyotepilz, der seine Sporen nur für Snipes verteilte?
Naja, keine Zeit nachzudenken….

Er gab Sayrish den Befehl sich darum zu kümmern, dass Marsha medizinisch versorgt wurde und bevor ich mich um sie sorgen konnte hörte ich jemanden schreien:
„Kael! Kael! Sie haben Kael dabei! Gott steh uns bei!“
Na, der hat uns bisher ja auch nicht viel geholfen, dachte ich.
„Los! Feuert mit allem was ihr habt!“ schrie Snipes.
Die Erde bebte als riesige affenähnliche Wesen mit rasender Geschwindigkeit alles überrannten was ihnen im Weg stand.
„Verdammt. Wir brauchen mehr XV37-k.i.l.l.-2 Viren. Gegen die sind sie am anfälligsten.
Los, Leart! Jetzt können Sie sich nützlich machen, denn das fällt ja in gewisser Weise in ihr Ressort. Schnappen Sie sich zwei Leute und erreichen Sie – am besten lebend, wenn es irgendwie geht - das Arsenal-Zelt und besorgen Sie uns mehr Injektionsgeschosse, aber bitte die richtigen!“ befahl mir Snipes.
Ich hatte nicht übel Lust, ihm einen gehörigen Arschtritt zu verpassen – ich war tierisch wütend. Die Situation ließ es nicht zu, mich solchen Gefühlen hinzugeben.
Also kämpfte ich mich mit Peterson und Sury zum Zelt durch und schnappte mir ein paar Injektionspistolen - auch wenn ich noch nicht die Berechtigung und Ausbildung dazu hatte, sie zu benutzen - und etliche Injektionsgeschosse.
Um es kurz zu machen: wir kämpften uns wieder zu unserer Einheit durch und nach langem, hartem Kampf war endlich alles vorbei.
Die Bane waren für diesmal besiegt – wir hatten die Basis erfolgreich verteidigt.
Überall lagen die stinkenden Kadaver der Thrax rum, die wir auf einen Haufen warfen und verbrannten.
Aber leider auch tote Kameraden/innen. Zum Glück waren die Verluste auf unserer und der Seite der Verbündeten nicht so groß.
Alle wurden nach foreanischer Sitte erstmal in besonderen Bauten hoch über dem Boden aufgebahrt. Was anschließend mit ihnen passierte wusste ich damals noch nicht.

Sobald ich Zeit hatte, rannte ich ins Sanitätszelt, um nach Marsha zu sehen. Ihr ging es erstaunlich gut – dank der außerirdischen medizinischen Kenntnisse.
„Geh du mal und sieh zu, dass du unter die Dusche kommst, du stinkst.“ meinte sie nachdem wir einige Zeit geredet hatten und grinste dabei. „Morgen bin ich wieder fit und dann gehen wir zur Foreas Basis und trinken was in der Taverne bei Selma!“
„Sehr freundlich. Bin wohl den Bane zu nahe gekommen.
Ja das machen wir. Etwas Ablenkung wäre toll.“
Leider sollte es ganz anders kommen.
 

Cassandra

Neuling
Hannah und Mark

Ich war todmüde und wollte nur noch schlafen. Nachdem ich geduscht und das „leckere“ foreanische Essen „genossen“ hatte, wankte ich ins Mannschaftszelt und fiel auf meine Pritsche.
Hier schliefen „Männchen und Weibchen“ in einem Zelt – es war kein Platz da für Zimperlichkeiten.
Ich konnte und konnte nicht einschlafen, denn während mein Nachbar auf der Pritsche rechts neben mir die Concordia-Wildnis umgestaltete und alle Bäume abzuholzen schien, kämpfte meine Nachbarin gegenüber auf der Pritsche anscheinend auch noch im Schlaf gegen die Bane, denn sie schrie laut alle möglichen Schimpfwörter und schlug massiv um sich. Drei Plätze weiter links summte jemand immer wieder die gleiche Melodie…Musik, die bei Selma wohl ständig gespielt wurde, wie ich später erfuhr.
Überall waren Geräusche, ich wälzte mich hin und her und konnte einfach nicht schlafen.
Ich presste mir das, was man hier als Kopfkissen bezeichnete, auf die Ohren, aber das nützte natürlich gar nichts und so stand ich in aller Herrgottsfrühe wieder auf und beschloss, etwas außerhalb des Camps rumzulaufen. Vielleicht tat es mir ja auch gut, mal allein zu sein, um die Ereignisse der letzten Tage zu verarbeiten.
Es irritierte mich, dass ich so wenig an meinen Freund dachte, von dem ich nicht wusste ob er überhaupt noch lebte.
An meine Familie und meine Freunde wollte ich nicht denken – noch nicht….
Ich konnte mich aber nicht dagegen wehren, darüber nachzudenken, warum mich Snipes Verhalten so nervte. Schließlich sollte es mir ja egal sein, was er von sich gab, denn ich konnte ihn ja nicht ausstehen.
Ich wollte gerade in Richtung Unterer Eloh gehen, als ich Miss „grüner Giftpilz“ und Snipes zusammen am Teleporter stehen sah. Ich war anscheinend nicht die Einzige, die früh aufgestanden war.
Sie lachten und redeten und schließlich gingen sie Arm in Arm zusammen in Richtung Kantinenzelt.
Ich blieb wie angewurzelt stehen und starrte sie an und bevor ich mich aus dem Staub machen konnte, drehte Hannah sich um und sah in meine Richtung. Ich konnte gerade noch beobachten, dass sie etwas zu Snipes sagte und in meine Richtung zeigte, bevor ich mich umdrehte und ganz schnell in die entgegengesetzte Richtung zu einem Waldweg ging, der zum Oberen Eloh führte.
So‘ n Mist, dachte ich, jetzt denken die sicher, ich würde ihnen nachschnüffeln,
schöne Sch…
Voll düsterer Gedanken trabte ich vor mich hin, dabei immer auf der Hut vor Feinden, obwohl die Gegend als relativ sicher galt – zumindest was man hier als sicher bezeichnen konnte, denn die Bane waren nicht sie einzige Gefahr auf Foreas, wie man uns während des Trainings bis zum Erbrechen beigebracht hatte.
Ich setzte mich auf einen Hügel und starrte lange Zeit, in Gedanken versunken, den dicken fetten Himmelskörper an, der bedrohlich am Himmel stand.

„Schon seltsam, dass er nicht auf Foreas stürzt, nicht wahr?“ erschreckte mich eine Stimme hinter mir fast zu Tode.
„Commander Snipes!“ rief ich erschrocken und sprang auf.
Er verließ den Baum, an dem er lehnte – ich hatte keine Ahnung wie lange er mich schon beobachtet hatte.
„Mark.“ sagte er. „Hä?“ hauchte ich äußerst intelligent.
„Mark!“ wiederholte er „mein Name. Ich heiße Mark!“
„Ach sooo. Und hat „Miss Grünspan“ nichts dagegen, wenn ich plötzlich Mark sage oder darf ich das nur, wenn wir allein sind?
Ich kann Sie auf keinen Fall in der Öffentlichkeit so nennen, denn sonst würde Ihr „guter“ Ruf als Commander „Drill“ verloren gehen, wenn Sie mit dem „Barbiepüppchen“ so vertraut wären und das kann ich nicht verantworten, auf keinen Fall!“ konnte ich meinen Redeschwall nicht unterbrechen, auch wenn ich mir am liebsten die Zunge abgebissen hätte.
„Miss Wer??“ Snipes sah nun seinerseits nicht besonders helle aus. „Ach so! Hannah!“ rief er und lachte laut.
„Hannah.“ äffte ich ihn nach – gekränkt, weil ich nicht wusste warum er lachte.
„Was ist denn eigentlich los?“ fragte er mich in einem Tonfall, der mich wahnsinnig machte.
„Nichts! Was soll denn schon los sein? Es ist doch ganz normal, wenn man einmal Cassy ist und zwei Sekunden später Leart und das nur, weil wer weiß ich auch immer auftaucht und besonders…HANNAH!
Alles völlig in Ordnung…alles klar! Lassen Sie mich doch einfach in Ruhe! “schrie ich zunehmend wütender und: klang meine Stimme etwa langsam hysterisch??.
„Und nun bitte ich wegtreten zu dürfen, Sir! Commander Snipes, Sir!“ rief ich und salutierte vor ihm.
Ich schnappte mir meine Waffe und wollte los, als er mich am Arm festhielt: „Cassandra, bitte, lass mich erklären…“ fing er an.
„Leart! Commander! Leart!“ schrie ich, riss mich los und rannte so schnell ich konnte in Richtung Alia Das.
Mir war scheißegal, welche Konsequenzen mein Verhalten haben könnte. Außer meinem Leben hatte ich eh nichts zu verlieren.

Langsam ging mir die Puste aus und ich ging langsamer - aber immer noch stinksauer - weiter, dabei nicht sonderlich auf die Gegend achtend.
Plötzlich stellte sich mir jemand in den Weg und packte meinen Arm.
„He, was läuft da zwischen dir und Mark?“ und ich erkannte die Stimme meiner speziellen „Freundin“ Hannah.
Ich sah sie entgeistert an.
„Es geht dich zwar nichts an, Schwester, aber da läuft nichts, gar nichts.“
„Mach mir doch nichts vor. Ich seh doch wie er dich ansieht.“ gab sie zurück. „Ich warne dich. Lass die Finger von ihm und wage es ja nicht, ihn zu verletzen.“
„Hö, bist du blöd? Hör doch mal richtig zu und besorg dir mal ne Brille!
Du kannst ihn gerne für dich haben und jetzt lass mich los!“ schrie ich.
Sie ließ mich tatsächlich los und ich rannte weiter, gerade noch hörend wie sie sagte:
„Ich? Haben? Nee, so ist das….“ Mehr bekam ich nicht mit…ich war zu weit entfernt.
Ich wollte nur noch ins Camp und versuchen doch noch etwas Schlaf zu bekommen.
Nix mehr hören und sehen.

Plötzlich sah ich ein paar Bane in Richtung Hannah schleichen und hörte ihr hässliches Lachen.
Scheiße, das musste jetzt auch noch sein! Tief in meinem Inneren war ein kleines Teufelchen, das mir einflüstern wollte einfach weiterzugehen und sie ihrem Schicksal zu überlassen.
Innerlich ächzend und stöhnend rannte ich natürlich doch zurück, um sie zu warnen. Die Deckung der Bäume nutzend erreichte ich sie schließlich. Sie saß an einem Baum und tippte etwas in ihr Datapad.
„Hannah!“rief ich so leise wie möglich. „Thrax! Sie kommen direkt auf dich zu!“
Aber es war zu spät. Sie hatten uns schon erreicht.
Es kamen immer mehr von allen Seiten und wir waren umzingelt.
Seltsamerweise töteten Sie uns nicht, sondern schienen sich über etwas zu verständigen. Hannah und ich standen jetzt Rücken an Rücken und schossen. Auch wenn wir keine Chance hatten, wollten wir doch nicht kampflos aufgeben.
„Na, los ihr Mistviecher! Macht ein Ende!“ schrie Hannah und sprang vor ihnen rum wie Rumpelstilzchen ums Feuer. Sie schoss und ein Thrax fiel tödlich getroffen zu Boden.
Plötzlich spürte ich einen dumpfen Schmerz und mir wurde schwarz vor Augen.
 

Cassandra

Neuling
Gefangen

Schmerz…Schmerz….Dunkelheit…Schmerz….und wieder verlor ich das Bewusstsein.
Langsam, ganz langsam wachte ich auf und hatte keine Ahnung wo ich war. Ich wagte nicht, meine Augen zu öffnen. Ich wollte mich bewegen – unmöglich.
Ich lag auf oder in einer gallertartigen Masse – an Armen und Beinen von etwas gefesselt, von dem ich gar nicht wissen wollte was es war…so glibberig alles, bäh.
„He, Weichhaut – los wach auf oder du schläfst jetzt für immer!“ sagte eine Stimme, die mehr als nur unangenehm war.
Ich schlug die Augen auf und sah direkt über mir den Schädel eines Thrax, der mich mit gefletschten Zähnen ansah, auf die selbst Dracula neidisch gewesen wäre.
„Mann, bist du hässlich!“ dachte ich.
„Und du erst!“hörte ich eine Stimme in meinem Kopf und er stieß brutal seine Waffe in meine Seite. Ich unterdrückte einen Schmerzensschrei.
Oh Gott, konnte der etwa meine Gedanken lesen?
„Du merkst aber auch alles, du jämmerliches Wesen. Aber keine Bange, wenn du überlebst werden wir dich bald umformen und dann bist du so stark wie wir und wirst tun was wir wollen!“
Niemals, dachte ich. „Oh doch!“ hörte ich und er stieß einen grässlichen Grunzer aus – anscheinend seine Art zu lachen.
Der Thrax riss mich hoch und ich hatte das Gefühl, dass meine Kleidung samt Haut in der Masse kleben blieben und schrie auf vor Schmerz.
Er stellte mich auf die Füße und stieß mich so heftig nach vorne, dass ich hinfiel.
Einer der anderen Bane fuhr ihn an – anscheinend sollte er mich vorsichtiger behandeln, denn nun schupste er mich nicht mehr ganz so stark.
Er brachte mich zu einem, durch einen Lichtzaun gesicherten Raum und stieß mich, nachdem er die Sicherung abgeschaltet hatte, hinein.

„Cassandra! Mann bin ich froh dich zu sehen.“ Das war Hannah, die da sprach und auch wenn ich mit ihr auf Kriegsfuß stand, war ich doch unendlich erleichtert eine menschliche Stimme zu hören.
„Ich dachte schon, du wärst tot oder die Scheißkerle hätten dich modifiziert. Es tut mir so leid, dass du jetzt meinetwegen in dieser Scheiße hier sitzt. Und danke…für deine Warnung, das war echt super von dir.“
„Ach Hannah, ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage - aber ich bin auch froh, dich zu sehen.
Was läuft denn hier eigentlich? Was wollen die von uns und was meint der mit umformen? Und können die etwa unsere Gedanken lesen? Und warum haben die uns nicht direkt getötet? Und, meine Güte, sind die hässlich!!“ bombardierte ich sie mit Fragen.

„Also telepathisch können die sich nur mit uns verständigen, wenn wir auf dieser Glibbermasse liegen – warum das so ist, entzieht sich bisher unserer Kenntnis. Scheinbar können damit bestimmte Energiefrequenzen aus unserem Gehirn angezapft und weitergeleitet werden…aber genau wissen wir es nicht. Wenn ihnen das auch sonst möglich wäre, könnten wir sofort Selbstmord begehen.
Die Sache mit der Modifikation ist ganz übel. Angefangen haben sie mit Foreanern, die sie mit mechanischen Upgrades und kybernetische Implantaten in Kampfmaschinen, die Foreas Machina, verwandeln.
Das Gleiche machen sie seit einiger Zeit auch mit Menschen und glaub mir, wir wären besser tot, als das über uns ergehen zu lassen. Irgendwo im Innern ist immer noch die Seele des Wesens vorhanden und bekommt alles mit, was mit ihr geschieht, aber sie ist nicht in der Lage sich zu wehren, wie wir von sterbenden Hominis Machina erfahren konnten, die noch...“ sie wurde unterbrochen, weil ein Thrax den Raum betrat und uns Schalen mit etwas Undefinierbarem hinstellte. „Los, essen!“ befahl er uns und hielt uns eine Waffe unter die Nase bis Hannah und ich den Fraß runter gewürgt hatten. Uns blieb nichts anderes übrig, wenn wir nicht sofort sterben wollten.
Als er endlich ging, konnte ich meinen Brechreiz nicht mehr unterdrücken und das ekelhafte Thraxmenü landete auf dem Boden. Hannah erging es nicht anders.
Falls wir hier jemals lebend rauskamen würde ich nie wieder über das foreanische Essen meckern, nahm ich mir vor.
Uns war nicht mehr nach Reden zu Mute und wir hingen unseren Gedanken nach – jede voller Angst, aber dankbar, nicht allein zu sein.
So verging die Zeit. Schließlich unterbrach Hannah die Stille.
„ Mark und ich…“ wollte sie mir gerade erklären, als wir Schüsse und Schreie hörten.
„Los, macht sie fertig! Holt euch ihre Schädel!“ rief eine eindeutig menschliche Stimme.
Es war Usus, Thraxschädel zu sammeln. Sie wurden gerne von Händlern gekauft. Ich habe nicht gefragt, was dann mit ihnen passierte…
Jemand schoss auf den Sicherungsmechanismus der Tür und stürmte herein – es war Snipes. Er blieb kurz bei Hannah stehen, erkundigte sich danach wie es ihr ging, rannte zu mir und nahm meine Hände.
„Cassy, Liebes geht es dir gut? Ich dachte schon, ich hätte dich verloren!“ flötete er süßlich.
„Wie bitte?“ dachte ich. C a s s y? L i e b e s? V e r l o r e n? Ich hatte mich wohl verhört. Vielleicht hatten die Thrax mir halluzinogene Pilze gegeben. Aber er hielt schließlich meine Hände und sah mich besorgt an. Vielleicht stand er ja unter Drogen?
Schlagartig ließ er meine Hände los, als jemand in der Tür stand. „Sie sind alle erledigt“ teilte uns der Soldat mit.
„Danke, Tucker. Leart, Morland, können Sie gehen?“ fragte Snipes uns und ich hatte nicht übel Lust ihn zu erwürgen. Hätte dich doch ´ne Schleimamöbe gefressen, dachte ich.
Im selben Moment fühlte ich, wie meine Beine nachgaben und mir schwindelig wurde. Alles versank in einem grauen Nebel und ich merkte gerade noch wie ich umfiel und Snipes mich auffing.
 

Cassandra

Neuling
Im Lazarett

Ich hatte wirre Träume. Die Erde wurde von Außerirdischen angegriffen und ich wurde zu einem anderen Planeten gebracht. Ich musste kämpfen, immer und immer wieder…dann verschwamm alles und ich sah nur bunte Farben. Ich wurde gefangen genommen….Thrax, überall Thrax…
Schlagartig wurde mir klar: es war kein Traum!
Ich fühlte eine Hand auf meinem Kopf und zuckte zusammen. Ich schlug um mich und schrie:“Haut ab, ihr dreckigen Viecher. Lasst mich in Ruhe! Fasst mich nicht an!“
„Ganz ruhig, Cassandra. Es ist alles ok. Du bist in Sicherheit.“ Als ich die Augen öffnete sah ich in Snipes braune Augen.
Er saß an meinem Bett und strich mir beruhigend über den Kopf. Ich sah mich um und sah Marsha auf der anderen Seite neben mir sitzen. Sie lächelte mich an: „Na, wieder bei uns? Das ist ja ne schöne Begrüßung, wenn du uns k.o. schlägst. Ach, ich bin ja so froh, dass du noch lebst.“
Am Fußende des Feldbetts stand Prof. Ericson und las etwas auf seinem Datapad.
„Hallo Miss Leart.“ grüßte er mich. „Na, das war ja ganz knapp mit Ihnen. Fast hätten wir es nicht geschafft und Sie wären um ein Haar gestorben. Ihre Viren haben Ihnen das Leben gerettet und nun können wir einer Menge anderer Menschen helfen.“
„Nicht so bescheiden, Professor“ meinte Snipes „ohne Sie wäre Cassandra jetzt tot.“
Sie erzählten mir, dass die Thrax an einigen Menschen biologische Waffen testeten und erst wenn sie überlebten, was wohl nicht allzu häufig vorkam, wurden sie zu Hominis Machina umgewandelt.
Sie hatten mir Mikroorganismen verabreicht, die mich getötet hätten, wenn Prof. Ericson nicht auf die Idee gekommen wäre, einen meiner Virenstämme einzusetzen, der schließlich die Organismen vernichtet hatte.
Hannah hatten sie nicht als Versuchskaninchen benutzt. Sie sollte direkt modifiziert werden.
Ich erfuhr auch, dass Hannahs Datapad Signale über unseren Standort gesendet hatte – sie hatte ihn, dem Himmel sei Dank, nicht mehr ausschalten können und die Thrax hielten uns Menschen wohl für zu primitiv, um solchen Gegenständen Bedeutung beizumessen.
Also hatten sie ihn ihr zwar abgenommen, aber nicht rechtzeitig ausgeschaltet. Snipes hatte sich sofort mit genug Soldaten auf den Weg zur Kratersee-Forschungseinrichtung gemacht, in der die Thrax – unter anderen Orten - ihre grausamen Experimente durchführten.
Außer Hannah und mir waren noch mehr Menschen da, die zu Robotern modifiziert werden sollten. Sie konnten alle befreit werden und die Bane waren vernichtet worden.
Ich war etwa drei Wochen lang bewusstlos gewesen und einige Male ganz nah am Rande des Todes.

„Ok, Leart, schön, dass es Ihnen wieder besser geht. Ich gebe Ihnen noch die Zeit, die Sie brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Dann melden Sie sich wieder zum Dienst.“
Na, bitte! Ich hatte also doch halluziniert durch die Seuche der Thrax.
Snipes behandelte mich wie jeden anderen auch und „Cassy, Liebes“ hatte ich mir wohl eingebildet. Irgendwie machte es mich traurig, aber das wollte ich natürlich nicht wahrhaben.
 

Cassandra

Neuling
„Mission Xanx“

Ich wurde wieder vollkommen gesund und die Zeit verstrich.
Ich ging Snipes aus dem Weg, wenn es irgendwie möglich war und ich hatte das Gefühl, dass auch er mich meidete, wenn wir nicht dienstlich miteinander zu tun hatten. Hannah sah ich auch nicht oft und wenn, dann war sie nie allein.

Eines Tages nahm ich den Auftrag an, Xanx in der Wildnis zu jagen. Die Biester machten sich an verschiedenen Stellen breit und ich brauchte Credits, um Munition zu kaufen. Da kam mir diese Gelegenheit gerade Recht.
Nichtsahnend, was die Xanx sind, machte ich mich auf den Weg nach Daghdas Urne, wo häufig welche gesehen wurden wie man mir sagte. Niemand hatte mich drauf hingewiesen, um was für Lebewesen es sich bei den Xanx handelte und ich hielt es nicht für nötig mal nachzufragen; ein Fehler wie ich feststellen musste. Man hatte mich nur ausdrücklich davor gewarnt, ihnen nicht zu nahe zu kommen.
Plötzlich bewegte sich die Erde und etwas kroch daraus hervor: ein riesiges ekelhaftes Spinnenwesen und dieses Spinnenwesen kam mit rasender Geschwindigkeit genau auf mich zu. Bööh, nee, Spinnen, pfui Teufel! Ich hasste Spinnen. Diese hier hatten zwar nur sechs Beine (wohl eine foreanische Variante), waren aber nicht weniger widerlich und zu allem Überfluss wesentlich größer als ich…einfach gigantisch. Ich hätte schreiend weglaufen können, blieb aber wie paralysiert stehen – ich konnte mich vor Ekel nicht rühren.
Und hätte nicht jemand geschossen, der zufällig vorbei kam….ich wäre wahrscheinlich als Spinnenfutter irgendwo unter der Erde gelandet. Dank an meinen unbekannten Retter, der auch schon wieder weg war.
Kaum hatte ich mich gefasst, kamen die nächsten Xanx auf mich zu. Den Rat, ihnen nicht zu nahe zu kommen, hatte ich natürlich vergessen und eh mich versah, hatte ich klebrige Spinnenfäden an den Beinen und konnte mich schon wieder nicht rühren.
Nicht nur, dass diese Fäden die Rüstung durchdrangen und lähmend wirkten, nein, sie hatten zudem auch noch eine ätzende Wirkung – zum Glück nicht stark, aber immerhin sehr schmerzhaft. Ich schoss drauflos – Mist, meine Waffe hatte Ladehemmung…so eine Scheiße! Diese verdammten Waffen liefen immer im entscheidenden Moment heiß und blockierten, wenn man es so gar nicht gebrauchen konnte.
Ich nahm alle Energie zusammen, konzentrierte sie in meiner rechten Hand und entlud heftige Blitze auf meine Gegner. Bloß schnell! Die Waffe wieder laden und weiter schießen!
Mein Ekel gab mir irgendwie die Kraft über mich hinauszuwachsen und bald hatte ich alle Xanx im Umkreis erlegt. Ich schüttelte mich vor Abscheu und machte mich schleunigst wieder auf den Weg zur Basis. Dank der Teleporter brauchte man ja nur Sekunden.
Ich erhielt meinen Lohn und ein paar „nette“ Narben als Andenken von den Verätzungen durch die Spinnenfäden…aber ich war froh, noch am Leben zu sein. Auf jeden Fall ging ich den Viechern aus dem Weg, wenn es sich einrichten lies oder ich hielt zumindest genügend Abstand.
 

Cassandra

Neuling
Die Zeit vergeht

So vergingen die Tage mit endlosen Kämpfen und mehr oder weniger gefährlichen Missionen. Snipes benahm sich wie immer und ich hätte oft aus der Haut fahren können vor Wut auf ihn.
Und ich merkte wie das Leben uns veränderte.
Nicht nur dank der Logosfähigkeiten, die wir uns nach und nach aneigneten. Auch die ständige Lebensgefahr machte uns härter.
Marsha und ich waren sehr gute Freundinnen geworden und in der wenigen Freizeit, die wir hatten, saßen wir oft über dem Nadelöhrwasserfall und quatschten.
Hinter uns hörten wir die Holzrücken stampfen und unter uns das Tosen des Wasserfalls. Es war wunderschön dort und oft konnten wir Kameraden baden sehen, wobei mindestens ein/e Mann/Frau Wache schob wegen der Thrax, die immer wieder dort auftauchten. Schaudernd dachte ich an die Aufträge, die ich in der Höhle unterhalb ausführen musste…die Kraken-ähnlichen Miasmen waren wirklich ätzend – irgendwie so unnatürlich – Kraken, die nicht im Wasser lebten…


„Sag mal, Cassy“, fing Marsha an, als wir wieder einmal dort saßen. „was ist eigentlich mit dir und Snipes los?“
Wir hatten bisher nie darüber gesprochen – sie hatte wohl bemerkt, dass mir das Thema nicht gefiel.
„Tja, nichts ist mit uns los. Du siehst doch selber wie er mich behandelt. Der macht mich total wahnsinnig. Ich glaube, der hat sie nicht alle. Wahrscheinlich hat der einen Weltraumkoller oder was weiß ich…ist ja auch egal. Also wie ich sagte...da ist nichts, gar nichts. Ich wünschte mir, er wäre gar nicht hier, Idiot, blöder!“
„Naja, dafür dass nichts ist, regst du dich aber ganz schön auf. Ich will dir mal was sagen, weil wir gute Freundinnen sind und ich es einfach nicht mehr ertragen kann wie ihr euch fertig macht. Ich sehe ja, was für Blicke ihr euch zuwerft, wenn ihr meint, es sieht keiner oder besser, wenn ihr meint der andere sieht es nicht. Und wie ihr miteinander umgeht ist doch nicht normal. Das ist krank.
Du kannst mir auch nichts vormachen, ich weiß, was du für ihn empfindest…als du bewusstlos warst, hast du im Schlaf gesprochen und ständig nach ihm gerufen. Und du warst erst ruhig, als er bei dir am Bett saß und auf dich einredete und glaub mir, er ist so oft gekommen wie es sein Dienst zuließ…in jeder freien Minute. Ich weiß gar nicht, wann der mal geschlafen hat.
Und ich habe bisher nicht beobachtet, dass er mal bei anderen am Bett gesessen hätte und alle reden darüber. Nur du bekommst natürlich nix mit, du Schnarchnase.“
„Besten Dank auch wirklich nett von dir“, trotz allem musste ich lachen. „Ich kann nicht glauben, was du da erzählst. Der behandelt mich doch wie Luft oder wie jeden anderen auch oder schlimmer.
Ich will nichts für ihn empfinden. Was soll das, wenn nichts zurückkommt.
Komm! Lass uns zur Basis zurückgehen. Morgen geht es wieder los und in den Donnhöhlen soll es nicht angenehm sein. Wir sollten noch was schlafen.“
„Ok, aber eins noch. Ist dir mal in den Sinn gekommen, dass er schlechte Erfahrungen gemacht habe könnte und nun nicht weiß, was er machen soll? Glaub mir, der liebt dich.“
„Ja, klar wie man Kopfschmerzen liebt. So, jetzt reicht es, ich will nichts mehr von dem Quatsch hören.“ Ich gab ihr einen Klaps auf den Kopf und zog sie mit in Richtung Alia Das.
 

Cassandra

Neuling
Bei Selma

Wenn es unsere Zeit zuließ gingen Marsha, ein paar Kameraden und ich zur Entspannung oft zur Taverne in der Foreas Basis was trinken oder wir nahmen an Wettkämpfen teil oder sahen zu.
Heute Abend war es mal wieder soweit. Aber diesmal wollten wir unseren Abschied von Der Kluft feiern, denn unsere Abteilung wurde in zwei Tagen in die Palisaden versetzt.
Marsha und ich saßen am Tresen und tranken das wirklich gut schmeckende foreanische Ale und ärgerten uns wieder mal über die ewig gleiche Musik.
„Heee, Ssselmaa, las doh ma was anneres laufen…das is ja nich zum aushalden!“ lallte Marsha, die schon einiges zu viel intuss hatte.
Sie zog mich vom Hocker. „Komm, Mädel, las uns tansen…, isch wiiill gez tansennn!“ und sie schleppte mich – sich gerade noch auf den Beinen haltend – zur Tanzfläche.
Auf einmal tauchte Snipes hinter Marsha auf und flüsterte ihr was zu. Sie nickte und torkelte zu ihrem Hocker, den sie um ein Haar verfehlte.
Ich sah, wie sie mit Selma redete und in unsere Richtung zeigte. Selma lachte und nickte.
Snipes grinste mich an, legte seine Arme um meine Taille und zog mich an sich. Ausgerechnet jetzt hatte Selma was Langsameres aufgelegt. „Na, wartet!“ dachte ich und drohte Marsha und Selma mit der Faust. Beide krümmten sich vor Lachen.
Mir schwirrte der Kopf – auch ich hatte reichlich Bier getrunken, aber das war es nicht allein.
Ich spürte Snipes warmen Körper und konnte nicht mehr klar denken.
Unsere Körper bewegten sich völlig synchron zum Rhythmus der Musik und ich vergaß Raum und Zeit.
Ich schloss die Augen und versank in einem Meer aus rosa Wölkchen und ich hätte bis zum Ende der Zeit so weiter tanzen können. Ich spürte seine Hände auf meinem Rücken und er flüsterte mir ins Ohr: „Cassandra, ich wollte dir schon so lange etwas sagen. Ich…“


„Maaaaark! Huuuhuuu!“ unterbrach ihn eine laute Stimme aus Richtung Tür.
Hätte ich meine Waffe gehabt – ich hätte sicherlich geschossen, und wenn auch nur in die Luft.
Seitdem es öfter zu Auseinandersetzungen gekommen war, die in Schießereien endeten musste jeder seine Waffe bei Selma abgeben.
„Nicht jetzt, bitte nicht jetzt.“ murmelte Snipes vor sich hin – sicher nicht für meine Ohren bestimmt.
„Hannah! Was gibt es?“ fragte er laut und wandte sich Hannah zu, die sich gerade zu uns gesellt hatte und eng umschlungen mit Pearl tanzte – eine ihrer Freundinnen.
„Och nichts Besonderes. Wollte nur Hallo sagen.“ Sie sah Mark an und dann mich.
„Oouh“ meinte sie nur und dann: „Kommt Leute, lasst uns was trinken. Ich geb einen aus.“ Und sie zerrte Mark zum Tresen, dessen Protest von Hannah ignoriert wurde. Ich folgte ihnen, innerlich schäumend vor Wut.
Ich wünschte Hannah die Schleimamöbenruhr an den Hals oder besser in einen anderen Körperteil.
Marsha warf mir einen Blick zu, der Bände sprach.
„Hee Commander, schon gehört? Cassandra hat sich für Sweethearts, die ultimative Singleshow, angemeldet. Die findet Morgen statt. Sie haben doch hoffentlich Zeit zuzusehen? Cassandra ist ganz scharf auf ein Date mit Sergeant Slime inklusive eines romantischen Essens zu zweit. Wir halten ihr alle die Daumen, dass sie gewinnt.“ informierte uns Pearl.
„Bittöö?“ ich konnte nicht fassen, was sie da behauptete. „Sweethearts? Ich? Aber im Leben nicht.“ Ich wollte unbedingt die Spaßbremse spielen, weil mir im Moment so gar nicht nach Lachen zu Mute war.
(Für die, die Sweethearts nicht kennen: die Show wurde mal von Spielern organisiert. Anm. der Autorin)
„Ach? Und was ist das hier?“ fragte sie hämisch grinsend und hielt mir eine Teilnahmekarte für die Show unter die Nase, auf der deutlich mein Name zu lesen war – Cassandra Leart stand da, groß und breit und dick unterstrichen. Sie zeigte die Karte auch allen anderen.
„Das ist ein Scherz, oder? Gibst hier sowas wie Versteckte Kamera? Ich hab mich da bestimmt nicht angemeldet!“ protestierte ich.
„Na dann, viel Spaß mit Prinz Charming, Leart.“ sagte Snipes kühl und sah mich ausdruckslos an.
„Jaaa, guuut, ok, ertappt! Ich wollte immer schon gern Slime kennenlernen!
Der ist ja sooowas von super – sensibel, gutaussehend mit seinen ewig eingeölten Haaren und immer gut aufgelegt - ich geb’s ja zu! Und ja: Spaß, den werd ich sicher haben, keine Frage!
So, für Morgen muss ich ausgeschlafen sein, damit ich keine Augenringe hab, denn ich will ja hübsch für Slime sein, also werd ich jetzt mal gehen. Viel Spaß dann noch.“
Ich riss Pearl die Karte aus der Hand und angelte meine Waffe hinter dem Tresen hervor.
Am liebsten wäre ich im Eiltempo zur Tür raus gerauscht, wollte mir aber keine Blöße geben. Also stolzierte ich hocherhobenen Hauptes in Richtung Ausgang und übersah dabei eine Flasche, die auf dem Boden lag.
Klar, dass ich darüber stolperte und mehr oder weniger elegant aus der Tür schlitterte.
Soweit also mein würdevoller Abgang.
Wie konnte ich nur so blöd sein und glauben, Snipes würde etwas für mich empfinden – ich war so ein Trottel.
Als ich sicher war, dass mich niemand von ihnen mehr sehen konnte, rannte ich los und setzte mich in die nächst beste dunkle Ecke und schluchzte laut schniefend vor mich hin.
In Gedanken erfand ich allerlei Schimpfworte für mich, aber besonders für Mark.
Dann hörte ich Schritte und jemand hielt mir wieder Mal ein Taschentuch hin – diesmal war es Hannah.
Sie wollte ich ja nun gar nicht sehen.
„Ggeh wweeg. Lllaass mmiich iin Ruuuhee.“
Hannah setzte sich neben mich und legte ihre Hand auf meinen Arm.
„Hör mal, Cassy“ sagte sie „es tut mir leid. Pearl ist zu weit gegangen. Es sollte nur ein kleiner Scherz sein. Aber ich habe bis jetzt nicht gewusst wie viel Mark dir anscheinend bedeutet. Als ich euch gerade tanzen sah aber auch wie du ihn und vor allem mich dann angesehen hast, als ich dazwischen kam, hat mir die Augen geöffnet.“
„Und was hab ich jetzt davon? Er ist ja anscheinend nur an dir interessiert!“ erwiderte ich trotzig.
Hannah lachte laut auf, was ich nun gar nicht komisch fand.
„Mensch Cassy, hast du es denn immer noch nicht gerafft.
Ich bin lesbisch und schon lange mit Pearl zusammen. Mark und ich kennen uns seit unserer Kindheit und wir sind nur sehr gute Freunde. Ich pass ein wenig auf ihn auf, weil ich nicht will, dass er wieder enttäuscht wird wie das letzte Mal. Gut, manchmal übertreibe ich ein wenig. Er ist sowas wie der Bruder, den ich nie hatte.
Er wollte nie was von mir – auch nicht als er noch nicht wusste, dass ich auf Frauen steh.
Komm wir gehen wieder zurück und du kannst ihm alles erklären, wenn Pearl es nicht schon getan hat.“
Zu sagen, ich würde mich nicht über ihre Worte freuen, wäre eine ziemliche Untertreibung gewesen und so folgte ich ihr bereitwillig.
Meine Enttäuschung war groß, als ich Mark nirgends entdecken konnte.
„Wo ist Mark?“ fragte Hannah Pearl.
„Ach, Scheiße. Bevor ich ihm was erklären konnte, bekam er den Befehl sofort nach Valverde zu teleportieren. Er ist einer anderen Einheit zugeteilt worden.
Wir unterstehen ab sofort Commander Reddich. Soll ganz ok sein, hab ich gehört.
Tut mir so leid, Cassandra. Aber irgendwo werden wir ihn bestimmt wiedersehen.“
„Ja, sicher.“ sagte ich und war schon wieder den Tränen nah.
„Aber jetzt müssen wir erstmal Marsha ins Lager bringen“
Marsha hatte ihren Kopf auf der Theke abgelegt und schnarchte mehr oder weniger laut vor sich hin. Wir schleppten sie zum Mannschaftsquartier und legten sie auf ihr Feldbett, wo sie sofort weiterschnarchte.
Man hatte unsere Einheit inzwischen in der Foreas Basis untergebracht – die Feldbetten da waren auch nicht gemütlicher als in Alia Das und die Gemeinschaftsklos fand ich schlicht weg unzumutbar. Aber im Moment war mir das alles vollkommen egal. Ich dachte nur an Mark.
Und nachdem ich mir mein Wiedersehen mit ihm in den schillerndsten Farben ausgemalt hatte, schlief ich in dieser Nacht zum ersten Mal wirklich gut auf diesem fremden Planeten, trotz aller Geräusche um mich rum und der harten Pritsche.

Vielleicht war es ja möglich auf diesem fremden Planeten trotz aller Gefahren noch einmal ganz neu anzufangen.
Ich hatte wieder Hoffnung!
Hoffnung auf ein Leben, das sich zu leben lohnte!


 
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