Mega Konzerne in Cyberpunk 2077

Die modernen Konzerne ähneln weitgehend denen des späten 20. Jahrhunderts. Allerdings sind die Firmen heute weitaus größer und praktisch völlig unabhängig. Sie stellen fast schon eigenständige Nation dar, mit eigenen Gesetzen, eigenen Städten, Fabriken und Armeen.

Die meisten Konzerne sind multinational mit Tochterfirmen und Einrichtungen in allen Ländern der Erde. Diese Tochterfirmen decken das gesamte mögliche Spektrum ab. Von kleinen Vertriebsfirmen oder Forschungsstation bis hin zu gigantischen Fabrikationsanlagen oder Hauptquartieren großer Sicherheitsabteilung.

Man unterscheidet prinzipiell zwei Arten von Konzernen: Öffentliche und private. Ein öffentlich kontrollierter Konzern kann und wird Aktien ausgeben und verkaufen die von jedermann erworben werden können. Die Aktien werden offen an der Welthandelsbörse gehandelt und sind für jeden Käufer verfügbar der über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Konzerne, die sich in privater Hand befinden, ähneln dagegen eher Familienunternehmen.

Die Stammaktien und damit die Kontrolle über den Konzern, liegen in den Händen einiger weniger Person, üblicherweise Geschäftspartner Verwandte oder extrem einflussreiche und mächtige Persönlichkeiten. Howard Hughes wäre dafür ein gutes Beispiel. Die meisten Konzerne sind im produzierenden Sektor tätigt. Sie stellen Produkte her, die für den offenen Markt bestimmt sind. Öl, Stahl, Automobile, Flugzeuge, Waffen, Computer, Cybersysteme, Bio-Technologien usw. um nur einige wenige der Millionen von Tätigkeitsfeldern zu nennen auf den Konzern aktiv sind.

Viele Konzerne haben mehrere Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt, beispielsweise Chemielabors in Europa, Computer Fertigungsanlagen in Japan und Stahlhütten in den vereinigten Staaten von Amerika.


Medienkonzerne

Besonderes Augenmerk verdienen die Medienkonzerne. Diese gigantischen Firmengeflechte entstanden aus einem Trend der späten achtziger Jahre als einzelne Unternehmen TV und Radiosender, Film und Plattenfirmen, Buch- und Comicverlage aufkauften und so die Marktmacht im Medienbereich in den Händen einiger weniger Personen konzentrierten.

In der Folge verflachten die Unterhaltungsformate immer mehr und wurden schließlich zu einem beliebig austauschbaren Einheitsbrei. Druckerzeugnisse sehen alle gleich aus, da ein und dieselbe Firma oft hunderte verschiedene Magazine verlegt.



Abweichende Meinung und unabhängige Produktion werden unter einer wahren Lawine von Schund begraben oder schlimmer noch von den großen Medienkonzern geschluckt oder durch die harten Konkurrenzkämpfe mit den Marktführern ausgeblutet und somit vernichtet.

Die Auswirkungen auf Nachrichten, seriöse Informationsvermittlung sind aber noch weitaus übler. Politiker haben längst kapiert, dass der Wahlerfolg oft von den besten Verbindung zum richtigen Medienkonzern abhängt.

Es scheint nur noch ein kleiner Schritt zu sein, bis die Medienkonzerne ihre eigene Kandidaten auswählen, aufbauen und der Öffentlichkeit verkaufen.


Agrarkonzerne

Die Blütezeit der Familienfarmen ging irgendwann in den 1990er Jahren zu Ende. Die USA gehörten seit jeher zu den bedeutendsten Grundnahrungsmittelerzeugern der Welt. Die immer weiter steigende Nachfrage nach Getreide zur Produktion von Treibstoffen auf Alkoholbasis und organischen Kunststoffen machte in der Folge des Zusammenbruchs die Agrarbranche zu einem der mächtigsten Marktsektoren in den vereinigten Staaten.

Heute kontrollieren die Agrarkonzerne direkt oder indirekt fast 65 % des gesamten Farmlandes der vereinigten Staaten und ernähren damit etwa ein Drittel der Weltbevölkerung und befriedigen fast zwei Drittel des Bedarfs an organischen Treibstoffen und Plastikgrundstoffen.

Schwindende Erdölreserven zwang die Staaten der ersten Welt ihre Produktionsanlagen auf weiter entwickelte Form von Methanol, Ethanol und Meta Alkohole umzustellen. Daher kauften viele der führenden Ölförderer landwirtschaftliche Nutzflächen auf und stellten ihre Anlage auf die Produktion von organischen Treibstoffen um. Die Liste der Agrarkonzerne liest sich nun wie ein „Who ist Who“ der Energieproduzenten.


./_ Karriereleiter

Moderne Konzerne sind streng hierarchisch durchstrukturiert. An der Spitze stehen ein Präsident und ein Vorstandsgremium aus Direktoren. Am unteren Ende findet sich eine riesige Massen von Arbeitern.

Dazwischen findet man das Reich der Manager, jene aufstrebenden Durchstarter, die ihren Mittelklassestatus hinter sich lassen wollen, indem sie so viel Macht und Einfluss an sich reißen wie nur irgend möglich.

Ein Konzerner beginnt seine Karriere typischerweise als leitender Angestellter, der sich ein Projekt oder eine kleine Gruppe von Mitarbeitern gekrallt hat. Auf der nächsten Stufe steigt er dann zum Abteilungsleiter auf und übernimmt die Kontrolle über eine Abteilung oder ein Produktionsbereich. Hier beginnt dann der ernste Konkurrenzkampf. Nur sehr erfolgreich Abteilungsleiter steigen zum Direktor auf und kontrollieren dann ganze Fabrikationsanlagen oder Operation von größerem Ausmaß. Sie werden wiederum vom stellvertretenden Generaldirektor herumgeschubst, der selbst ganze Zweige des Konzerns kontrolliert. Sein Boss, der Generaldirektor, ist nur noch dem Vorstand der Großaktionäre verantwortlich und dem Vorstandsvorsitzenden selbst.



Theoretisch hängt die Beförderung innerhalb eines Konzerns von den Verdiensten des einzelnen Mitarbeiters ab doch in der Realität wird die Welt der Konzerne von Vetternwirtschaft, geheimen Nebenabsprachen, Speicherleckerei, Lug und Trug und dem schmücken mit fremden Federn dominiert.

Intrigen Erpressung und Rufmord sind an der Tagesordnung. Eine der beunruhigendsten Faktoren in diesem Spiel der Konzerne um die Macht, ist der Einfluss des organisierten Verbrechens. Bereits in den frühen 1990er erkannten die Syndikate das enorme Potenzial, das in den Konzern steckte und so begann die Mafia und andere Verbrecherorganisation damit den Konzern ihre Dienste als Auftragskiller, Leibwächter und Geldeintreiber anzubieten.

Als erster gingen die japanischen Zaibatsu (Konzerngroßfamilien) nach diesem Muster vor, die routinemäßig Ninja- (Assassinen) und Yakuzaclans für ihre verdeckten Operation anheuerte. In einigen Fällen blieben die Gefolgsleute ihren Auftraggebern treu, zumindest denen die am meisten zahlten. In anderen, weniger erfreulicheren Fällen, übernahm die angeheuert Mietlinge die Firma, was zu einer neuen Ära der Konzern-Konflikte führte, bei der nicht einmal mehr der Anschein von Legalität gewahrt wurde.


./_ Arbeitsverträge

In der eiskalten kalkulierenden Welt des Big Business ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Manager, auf der Suche nach dem großen Erfolg, die Firmen wechselt wie seine Unterwäsche. Um dies zu verhindern verlangen die Konzerne von ihren Mitarbeitern, dass sie Arbeitsverträge abschließen, in denen genau festgeschrieben wird, wie lange ihr Arbeitsfeld bestehen muss bevor sie wieder kündigen können. Ein Mitarbeiter in nachgeordnete Stellung kann mit etwa einem Jahr rechnen.

Wissenschaftler oder Generaldirektoren eines Konzerns werden oft in Verträge auf Lebenszeit gepresst. Die Strafen für das Brechen eines solchen Arbeitsvertrages sind extrem hart. Sie reichen von der Pfändung des Gehalts über Gerichtsverfahren bis hin zum Verlust der Lizenz. Im Falle von Anwälten und Ärzten kann das natürlich eine ganz große persönliche Katastrophe bedeuten.

Konzerne sind auch dafür bekannt, dass sie Sabotagesoftware und Killerimplantate einsetzen, um sich der Loyalität ihrer Mitarbeiter zu versichern. Erpressung gehört zum Standardverfahren. Mord und Entführung sind an der Tagesordnung.

Diese Methoden machen das Geschäft der Headhunter zu einem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel. Die meisten Konzerne beschäftigen ihre eigenen Extraktionsteams. Solos die im Stil der Geheimdienste das überlaufen von Mitarbeitern in Schlüsselposition zur einen oder anderen Seite arrangieren. Das Geschäft der Headhunter kann extrem tödlich sein, da die meisten Konzerne jedes zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um ein Extraktionsteam der Konkurrenz auszuschalten.


Konzerne und Regierung

Seit dem großen Zusammenbruch von 1996 befinden sich die Regierungen der Welt in der unbequemen Lage, den multinationalen Konzern praktisch freie Hand lassen zu müssen.

In der Öffentlichkeit geben moderne Megakonzerne Lippenbekenntnisse zu Umweltschutz, Qualitätsstandards und Mindestlöhnen ab. Während sie zugleich heimliche Arrangements mit den lokalen Behörden treffen. Zumeist reicht eine einfache Bestechung oder die militärische Unterstützung des örtlichen Direktors, um die gewünschten Absprachen zu erzielen.

In den fortschrittlicheren USA gehen die Konzerne vorsichtiger zu Werke. Sie geben sich große Mühe ihre illegale Operation zu tarnen und sind peinlich bemüht, bei ihren öffentlichen Aktionen strikt im gesetzlichen Rahmen zu bleiben. Auf der lokalen Ebene besteht diese Lobbyarbeit im schachern mit Macht, Einfluss und Geld. Die wichtigen Entscheidungsträger werden geschmiert damit die Maschine sauber läuft. Ein Richter dort ein Polizeichef hier und ab und zu steht auch schon mal ein Senator oder ein Kongressmitglied auf der Gehaltsliste.

Was die Dominanz der Konzerne angeht, so stellen die GUS eine Ausnahme dar. Obwohl ihre Mitgliedstaaten grundsätzlich an westlicher Technologie interessiert sind, konnten sie bislang die meisten Konzerne daran hindern innerhalb ihrer Grenzen politischen Einfluss zu nehmen.

Die meisten Konzernniederlassungen genießen heute den Status nationaler Botschaften, die ihren Mitarbeitern eigene internationale gültige Pässe und Papiere ausstellen, die im Übrigen qualitativ weitaus besser sind als das was die Regierungen produzieren.

Einen Wendepunkt im diplomatischen Handeln der Konzerne stellt der bedauerliche Yasubisu-Affäre von 1997 dar, bei dem Wachpersonal des in Tokio ansässigen Arasaka Konzerns 24 französische Polizisten erschossen, die die Filiale des Konzerns in Paris gestürmt hatten, um einen wegen Vergewaltigung gesuchten Konzernmanager zu verhaften.

Seit diesem Vorfall sind die meisten ausländischen Konzern Niederlassung dazu übergegangen straffällige Mitarbeiter zurück in die Firmenzentrale zu versetzen. Danach übernehmen Unterhändler des Konzerns die Auslieferungsverhandlung mit der Nation, in der das Verbrechen begangen wurde.


Die Welthandelsbörse

Ein moderner Konzern steht und fällt mit seinen ausgegebenen Aktien. Eine Aktie stellt im Wesentlichen einen Anteil an allen Aktivposten eines Konzerns dar. Ähnlich den Straßenkarten die bei Monopoly gekauft und verkauft werden können. Konzerne verkaufen ihre Aktien für harte Währung an Außenstehende und nutzen diese Einnahmen um die Aktivitäten Ihres Unternehmens zu finanzieren.

Der Aktionär hofft seinerseits darauf, dass die Aktien die er hält, die ihrerseits ein Prozentanteil des Wertes eines Konzerns darstellen, im Wert steigen sobald die Aktivposten des Konzerns im Wert steigen.



War zum Beispiel die Cybercomputer Incorporated im Jahr 1975 insgesamt gigantische 100.000 $ wert und besaß man 20 % der ausgegebenen Aktien, so waren diese Aktien also alles zusammen 20.000 $ Wert. Hat sich der Firmenwert der Cybercomputer Incorporated acht Jahre später auf lockere 2 Million $ erhöht, so wäre dasselbe Aktienpaket nun 400.000 $ wert. Wäre Cybercomputer Incorporated aber zwischenzeitlich bankrottgegangen, so ist das Aktienpaket nun völlig wertlos.

Je mehr Stammaktien man besitzt, desto mehr Kontrolle und Einfluss kann man auf die Aktivposten des Konzerns und damit auf dessen Aktivitäten ausüben. Jede Aktie entspricht einer Stimme die bei den Aktionärsversammlung über die Zukunft des Unternehmens entscheiden.

Der Besitz von mehr als 50 % aller Aktien eines Konzerns, bringt im Allgemeinen die Stimmenmehrheit. Diese Mehrheit gestattet es die Führung des Konzerns zu feuern oder nach eigenem Belieben neu zusammenzusetzen, Kurswechsel in der Firmenpolitik zu diktieren oder die Fusionierung mit einem anderen Unternehmen zu erzwingen.

Die grundlegenden Mechanismen des Handels mit Konzernaktien haben sich gegenüber der früheren Form der Aktienbörse des 20. Jahrhunderts kaum verändert. Was sich jedoch verändert hat, ist der Maßstab der Transaktion. Ende der 1990er wurden die Börsen in London, Tokio, New York und anderen größeren Städten zu einer gigantischen Welthandelsbörse zusammengefasst.

Auf der Basis des Euro Dollars wurde ein verbindlicher Wechselkurs eingeführt und international einheitliche Richtlinien für den Handel an den einzelnen Börsenfilialen erlassen. Obwohl es überall auf der Welt Aktienhändler gibt, befinden sich die eigentlichen Zentralen für den Handel in London, Frankfurt, Paris, Zürich, Tokio, New York, Freiburg, Rom und San Francisco.

Seit der Installation der Matrix, dem gigantischen Kommunikationsnetz, dass die ganze Welt umspannt, hat praktisch jeder die Möglichkeit Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Investoren können sich nun jederzeit und von jedem Ort der Erde aus ins Netz einklinken - selbst aus dem tiefsten Dschungel – um Kontakt mit einem Händler aufzunehmen, wo auch immer dieser sich gerade befinden mag.

Niemals zuvor haben so viele Menschen versucht mit Geschäften auf dem Markt Million zu machen und niemals zuvor balancierte dieser Markt so sehr auf Messers Schneide zwischen unglaublichen Reichtum und weltweiten ökonomischen Desaster.


Wirtschaftsspionage und verdeckte Operationen

Heute beschäftigt fast jeder Konzern mindestens eine Einheit von gut ausgebildeten, verdeckt arbeitende Agenten die auf Spionage Gegenspionage, Sabotage und Terrorbekämpfung spezialisiert sind. Im Extremfall greift man auch durchaus zu Maßnahmen wie Mordanschlägen und Terrorattentaten, ob nun gegen einen anderen Konzern oder innerhalb der eigenen Konzernstruktur. Dies ist nicht wirklich ein neues Phänomen.

Seit vielen Jahren weiß man von dem mächtigen japanischen Industriekombinat, den Zaibatsus, dass sie für viele ihrer verdeckten Operationen insgeheim Ninjaclans einsetzen. Diese Verbindungen reichen vielfach in vergangene Zeiten zurück, als die gleichen Clans in Dienst der feudalen Vorgänger der heute vorherrschenden Zaibatsu standen.

Weniger geheime Operation bei denen es ihr auf Muskelkraft und weniger auf Kopfarbeit ankommt, werden dagegen oft an andere japanische Gangster Syndikate delegiert, von den viele zumindest teilweise an den Konzern beteiligt sind. Als die westlichen Konzerne begangen japanische Management und Prozesstechniken zu übernehmen und begannen die eigenen Arbeitsprozesse anzupassen, machte man sich auch daran eigne Ninja Organisation aufzubauen. Diese historisch bedingte Entwicklung mag ein Grund dafür sein, das viele angeheuerte Konzern Killer und Spione auf der Straße unter so farbenprächtigen Bezeichnung bekannt sind wie Ninja, Samurai, Ronin oder Yakuza.

Die Abteilung für verdeckte Operation eines Konzerns setzt sich üblicherweise aus einer Reihe von Waffenspezialisten zusammen, wozu noch Computertechniker und verschiedene Soldaten kommen. Praktisch jeder dieser Einheiten ist mit Cybersystem aufgerüstet. Üblicherweise mit dem besten was auf dem Markt zu bekommen ist.

Rekrutierungsagenten dieser Einheiten durchkämmen die Kampfzonen und großen Arkologien auf der Suche nach vielversprechenden jungen Kriminellen, die sie mit hohen Gehältern und mit dem besten Cybersystem ködern, und ihnen ein Leben voller Ruhm und Abenteuer versprechen.


Konzernkriege

Die meisten Auseinandersetzungen konkurrierender Konzerne werden auf dem Parkett der globalen Märkte ausgetragen. Von Zeit zu Zeit aber eskalieren diese Konkurrenzkämpfe und entwickeln sich zu regelrechten Kriegen. Prinzipiell handelt es sich dabei nicht um formell erklärte Kriege. Dennoch besitzen sie alle Merkmale eines echten Krieges. Auch hier kommen Raketen, gepanzerte Fahrzeuge, Kampfflugzeuge und gecyberte Bodentruppen zum Einsatz.

Konzernkriege müssen gemäß ihren ungewöhnlichen Spielregeln verdeckt geführt werden. Nur sehr wenige Nationen gestatten es, dass zwei Konzerne sich auf ihrem Grund und Boden die Köpfe einschlagen. Viele terroristische Vereinigungen, wie beispielsweise die berüchtigte Red Flag Army  oder die neuen Söhne des Arischen Volkes sind nichts anders als voll ausgerüstete Konzerneigene Kampftruppen, deren scheinbar wahllos ausgeführte Angriff auf Büros und Hochburgen des Konkurrenten in Wahrheit Teil einer konzentrierten und verdeckten Kriegsführung sind.

Ein Konzernkrieg dauert nie länger als absolut notwendig. Können die gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht mehr länger im Verborgenen ausgetragen werden, so ist die Gefahr durch eine Intervention seitens der Regierung einfach zu groß. Bislang ist keine der konzerneigenen Armeen stark genug sich mit der Regierung einer größeren Nation anzulegen.

Berichte häufen sich jedoch, demzufolge ein paar kleine Staaten schon vor der militärischen Stärke einer Konzernarmee kapituliert haben soll.


Die Konzernstadt

In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die amerikanischen Innenstädte so stark von sozialen Unruhen und Aufständen erschüttert das Aufmaß nur noch verbrannte Grundmauern und verlassenen Fabriken zurückblieben.

Als auch die letzten Büros schließen mussten verlagerten die meisten großen Konzerne ihre Aktivitäten in die weit sicheren Industriegebiete und Einkaufszentren der Vororte. Als aber die Grundstückspreise immer weiter in die Höhe stiegen und die Vororte sich mehr und mehr füllten, überdachten die großen Konzerne ihre Strategien erneut.

In Zusammenarbeit mit der Stadtregierung begann sie Mitte der 1980er Jahre in den Innenstädten kräftig aufzuräumen. Die Konzerne stellten die Gelder für neue Gebäude, Einkaufszentren und Modellsiedlung zur Verfügung, während die Städte steuerliche Anreize, billige Grundstücke und den Schutz ihrer Polizei einbrachten.

Bis 1989 wurden auf diese Weise viele Innenstadtbereich überall in den USA „veredelt“. Insbesondere die Innenstädte von New York, San Francisco, Baltimore und Boston.

Wie so oft bezahlten die einfachen Menschen den Preis dieser Umstrukturierung. Sogenannte unerwünschte Personengruppen mussten in die Stammzonen am Stadtrand verfrachtet werden. Mittellose, Drogendealer, Zuhälter, Gangs und das gemeine Straßenvolk. Sie alle wurden aus den Innenstädten geworfen.

Bald entstand eine Region, die auf der einen Seite von den wohlhabenden Vorstädten und auf der anderen Seite von der mustergültigen Innenstadt begrenzt wurde. Dieses einquetschen auf engsten Raum hatte schlimme Folgen für die Solidargemeinschaft. Indem man die Slumbewohner zwischen diese beiden Gebiete packte, stiegen die Verbrechensraten auf beiden Seiten der Zone steil an. Die Straßengangs pendelten regelmäßig zwischen den Vorstädten der Mittelklasse und den mustergültigen Innenstädten hin und her und erschlossen sich so neue Opfergruppen.

Mitte der 1980er Jahre heuerten die Konzerne bereits regelmäßig Wachpersonal an, um die völlig überforderte Polizeikräfte aufzustocken. Diese Konzern Polizei war gut bezahlt und hervorragend ausgestattet. Als dann überall in den USA die Polizeistrukturen immer mehr zusammenbrachen, ging viele Städte dazu über diese Konzernkräfte direkt anzuheuern, sie mit Hoheitsrechten auszustatten und die Wahrung von Recht und Ordnung der Innenstädte in ihre Hände zu legen.

Die Konzerne waren diese Aufgabe durchaus gewachsen. Skrupellos rüsteten sie ihre Teams mit den besten Waffen und stärksten Panzerung aus. Sobald ein Täter verhaftet war, setzen Sie Ihre beträchtlichen Rechtsmittel und ihren ganzen Einfluss ein, um die höchstmögliche Strafe zu erwirken. War eine Verhaftung nicht möglich, schlugen sie dennoch mit voller Härte zu. Ganze Gangs wurden über Nacht von schwer bewaffneten Teams und gepanzerten Fahrzeug praktisch ausgelöscht. Die Leichen verschwanden irgendwo auf einer Mülldeponie und die Rechtsabteilung machte sich daran den ganzen Zwischenfall still und heimlich zu vertuschen.

In den 2020er kontrollierten die Konzerne die meisten Innenstädte und ein großer Teil der firmeneigenen Wohnanlagen in den Vorstädten.

Um Pendler den Weg zur Arbeit zu erleichtern bzw. oftmals überhaupt erst zu ermöglichen, haben viele Mega Konzerne Schwebe- und Untergrundbahnen zwischen den vorbildlich gestalteten Innenstädten und den gut gesicherten Vorstädten eingerichtet.

Auf den Bahnsteigen dieser Linien patrouillieren Konzern eigene Sicherheitskräfte. Überwachungskameras und modernste Sensorsysteme überwachen jede Bewegung. Es versteht sich von selbst, dass die Anlagen immer außerordentlich sauber und ruhig sind und dass es hier so gut wie nie zu irgendwelchen Delikten kommt.


./_ Konzern Vorstädte

Im Jahre 1990 kostete ein kleines Einfamilienhaus mit zwei Schlafzimmern im Durchschnitt bereits 200.000 $. Mehr also als die meisten Familien jemals zusammenkratzen konnten. Im Ringen um qualifizierte Arbeitskräfte erkannten die Konzerne schnell, dass erschwinglicher Wohnraum ein sehr guter Anreiz war Mitarbeiter für die Firma zu gewinnen. Bald begann die Konzerne in den USA und ebenso im Ausland damit, riesige Wohntrakt zu errichten oder aufzukaufen. Die wurden dann ihren Mitarbeiter zu drastisch reduzierten Preisen angeboten. 1995 fiel im historischen Falten Tenni Corp gegen Davies ein wegweisendes Urteil. Damals entschied das oberste Gericht, das ein Konzern zwar nicht gestattet ist Wohnungskäufer aufgrund ihrer Rasse, Religion oder Hautfarbe zu benachteiligen, aber, dass ein Konzern jedoch durchaus berechtigt ist seinen Mitarbeitern Wohnraum zum Vorzugspreis anzubieten.

Folglich werden die meisten konzerneigenen Vorstädte vorwiegend von leitenden Angestellten der oberen Mittelschicht und deren Familien bewohnt. Unter den Bewohnern einer Konzern Gemeinde finden sich alle Rassen, Glaubensrichtungen, Hautfarben und dennoch haben sie alle eines gemeinsam: Die Firma.

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