Valve's neue Richtlinie. Kommt nun das böse über Steam?

Steam

Valve hat etwas größere Probleme mit der Verkaufsplattform Steam. Im Grunde könnte alles so gut laufen, doch viele Steam User werfen Valve vor wirklich jeden Spielmüll in den Store zulassen. Es wird von Spielen berichtet, die nicht im Ansatz halten was sie versprechen oder nicht ordentlich laufen. Von den ganzen Titel, die offenbar in Paint dahin gekleckert wurden einmal ganz zu schweigen. Das nervt so ziemlich alle Spieler. Problem dabei ist nur, dass oftmals nicht dieselben Spiele gemeint werden.  Nun, was der eine hasst, liebt der andere und anders herum.

Eine ganz andere Kategorie von Problemen sind dagegen die Titel die oftmals und im Allgemeinen als Geschmackslos bezeichnen werden. Da war zum Beispiel dieser Shooter, in dem man sich als Amok Läufer durch eine Schule hätte schießen sollen. Dieser Titel wurde erst kürzlich von Valve wieder kassiert, auch weil es Proteste und Meldungen von Usern hagelte, aber wahrscheinlich im Wesentlichen, weil Valve feststellte, dass es sich bei der ganzen Geschichte um einen weiteren Betrugsversuch eines ehemaligen Nutzers handelte, der bereits wegen ähnlichen Dingen von der Plattform geworfen wurde. Steam bezeichnete ihn als Troll, wobei Valve in diesem Zusammenhang nicht das meinte, wofür die Bezeichnung eines Trolles üblicherweise in Deutschland steht.

Kurzer Exkurs zum Thema „trolling“: Das hier ganz offenbar gemeinte „trolling“ steht analog zu einer Angeltechnik namens „trolling“ oder wie sie in Deutschland genannt wird „Schleppfischen“. Bei dieser Technik geht es darum einen bunten Köder langsam durch das Wasser zu ziehen, wobei der Köder sich auffällig durch das Wasser schlängelt. Die ahnungslosen Fische sind dadurch derart fasziniert, dass sie sich törichterweise dazu verleiten lassen, diesen bunten Köder zu schlucken. Die Fische erkennen dabei erst recht spät, nämlich erst wenn die Angelleine eingeholt wird, dass sie durch den Fischer getäuscht wurden.  Ersetzt nun Köder durch Spiel, Wasser durch Steam, Fische durch Spieler, schlucken mit kaufen und Fischer durch Troll. Dann haben wir es!

Neben dem Thema Gewalt, gelten natürlich auch die Problem-Themen Erotik und Pornographie als äußerst heikel. Um letzteres ging es erst kürzlich bei dem Fall der Visual Novels. Viele Entwickler von Spielen im Anime-Stil wurden von Valve angemahnt ihre Spiele zu zensieren, wenn man daran Interesse hätte auf Steam zu verbleiben.  Die Titel würden einfach zu viel nackte Haut zeigen.

Ein Beispiel ist der Anime Titel „Mutiny!“ der wegen pornografischen Inhalt gemeldet wurde. Lupiesoft, die Entwickler hinter „Mutiny!“, warfen Valve daraufhin jedoch vor mit zweierlei Maß zu messen. Während Spiele mit eindeutigen Inhalt im westliche Stil unangetastet blieben, würde man sich lediglich auf Spiele im Anime-Stil stürzen, so Lupiesoft. Man verweist hier zum Beispiel auf Funcom‘s Conan Exile wo ähnlich viel nackte Haut zu sehen ist. Funcom hätte jedoch keine Aufforderung erhalten ihr Spiel entsprechend zu zensieren. Ganz von der Hand zu weisen ist dieses Argument natürlich nicht.

Direkte Folge der Visual Novels Aktion von Steam war übrigens, dass der polnischen Mitbewerber gog.com diversen Anime Titel eine neue Heimat bot und dies auch noch mit einem Sale feierte, während man bei Steam aufgrund der vielen Kritik durch User und Entwickler langsam aber sicher zurückruderte. Mittlerweile hat man bei Steam die Drohung gegen die diversen Entwickler wieder zurückgezogen.

Valve’s antwort auf das Problem

In der Gesamtheit haben diese Vorfälle wohl zumindest mit dazu geführt, dass sich Valve nochmal ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat. Darauf folgte am Mittwoch ein Post des Valve Managers Erik Johnson im Steam Blog zu diesem Thema.

Dem Post nach habe man sich bei Valve dazu entschlossen, in Zukunft alle Spiele im Steam Store so zu belassen wie sie von dem Entwickler geschaffen wurden bzw. werden. Ausnahme sollen dabei Spiele bilden die als illegal eingestuft werden oder die unter „trolling“ (Anmerkung Redaktion: siehe „Schleppfischen“) fallen.

Die große Herausforderung, so Johnson, bestehe darin, dass es nicht nur darum gehe ob der Steam Store Inhalte für Erwachsene und Gewalt enthält, sondern um die kontroversen Themen, die in den Spielen behandelt werden wie z.B. Politik, Sexualität, Rassismus, Gender, Gewalt, Identität und so weiter. Darüber hinaus gibt es kontroverse Themen, die für Spiele typisch sind, wie zum Beispiel wann etwas als „Spiel“ bezeichnet werden darf und welches Qualitätsniveau angemessen ist, bevor ein Spiel veröffentlicht werden darf.

Johnson macht in seinem Beitrag klar, dass Valve weder für die Spieler noch für die Entwickler entscheiden will was gekauft bzw. was entwickelt werden darf. Betont in seinem Post aber auch, dass das reine Zulassen eines Spiels im Store nicht bedeutet, dass dieser Titel auch die Werte von Valve wiederspiegelt.

Die Kontrolle soll den Usern überlassen werden. Dazu möchte Valve den Usern bald entsprechende Tools zur Seite stellen. Erst wenn diese den Usern zur Verfügung stehen, wird Valve die Änderungen durchführen.

Damit das mit der Kontrolle durch die User funktionieren kann, müssen die Titel zuvor eindeutig eingeordnet werden können. Die Idee bei Valve ist nun die Entwickler dazu zu verpflichten problematische Inhalte ganz klar vorab zu kommunizieren, damit diese entsprechend zugeordnet werden können. Entwickler, die bei diesem Thema nicht ehrlich sind oder sich weigern sollen als Geschäftspartner wegfallen. 

Zum Thema wann etwas illegal ist oder nicht schreibt Johnson, dass dies von Fall zu Fall entschieden werden müsse, da die Gesetzlage in den verschiedenen Ländern zu unterschiedlich sei. So würden Länder und Gesellschaften ihre kulturellen Normen im Laufe der Zeit ändern. Valve müsse daher auf absehbare Zeit sowohl an Bedingungen welche Produkte erlaubt sind, den zu kommunizierenden Richtlinien, als auch an den Tools, die Valve den Entwicklern und Spielern zur Verfügung stellen will arbeiten.

Wie Valve tatsächlich tickt, also ob Werte oder doch ein anderer Grund zu dieser Entscheidung geführt haben, kann an dieser Stelle natürlich nicht beantwortet werden. Doch es bleibt festzuhalten, dass Valve im Endeffekt keine Kontrollinstanz für Meinungen und Moral sein will. Schließlich kann Valve hier ohnehin nur verlieren. Der beste Ausweg ist tatsächlich die Neutralität der Plattform.

Valve macht durchaus deutlich, dass man sich an die Gesetzte der verschiedenen Länder halten will. Deutlich wird jedoch auch, dass Gesetze eben von Land zu Land anders ausfallen können und daher pauschale Aussagen nicht getroffen werden können. Also im Grunde alles wie bisher auch, denn selbstverständlich kann sich auch ein Unternehmen wie Valve nicht den gesetzlichen Rahmenbedingungen entziehen.

Somit wird auch zukünftig alles was nach den nationalen Gesetzen verboten ist, mit ziemlicher Sicherheit nicht im Steam Store zu finden sein. Für Deutschland bedeutet das zum Beispiel, dass die indizierten Titel (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) auch nach der Änderung nicht im Store zu finden sein werden. 

Und was ist jetzt mit dem ganzen Schrottspielen, die uns nun ein ganzes Leben lang begleiten werden? Die Hölle mein Freund, die Hölle…

Tags: Steam, weltennet.de, Valve, Richtlinie, Erik Johnson

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